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Pariser Klimaabkommen Was bringt der internationale Klimavertrag?

2015 wurde das Paris-Protokoll beschlossen, ein Jahr später trat der internationale Klimavertrag in Kraft. Die Länder setzen sich mit dem Pariser Klimaabkommen das Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten.

Stand: 11.08.2021 |Bildnachweis

Logo des Klimagipfels COP21 in Paris. Bei dieser Klimakonferenz wurde im Dezember 2015 das neue Klimaabkommen von Paris verabschiedet. | Bild: picture-alliance/dpa

Vertreter von fast 200 Ländern rangen im Dezember 2015 auf der Weltklimakonferenz in Paris um den so dringend benötigten Nachfolger des Kyoto-Protokolls. Möglichst viele Staaten sollten zustimmen und dennoch sollte die neue Klimaschutz-Vereinbarung ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen verfolgen. Am Ende feierten die Delegierten schließlich mit einem 31 Seiten langen Dokument den Durchbruch. Der damalige US-Präsident Barack Obama sprach von einem möglichen "Wendepunkt für die Welt".

Das Abkommen von Paris war und ist die erste weltweite Vereinbarung zum Klimaschutz. Denn im Unterschied zum Vorläufer, dem Kyoto-Protokoll, einigten sich in Paris wirklich fast alle Staaten der Welt darauf, langfristig die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen globalen Durchschnittstemperatur zu begrenzen. Darüber hinaus lautet das Ziel, den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, da dies die Risiken und Folgen des Klimawandels deutlich begrenzen würde.

Kernpunkte der Pariser Vereinbarung

Das Ziel

Klimaabkommen von Paris

Zentrales Ziel der Länder, die dem Paris-Protokoll von 2015 beigetreten sind, ist es, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Angestrebt wird ein 1,5-Grad-Ziel.

Beschlossen und vertraglich besiegelt wurde das Klimaabkommen von Paris Ende 2015. In Kraft trat es erst ein knappes Jahr später - aus gutem Grund. Damit das Klima-Abkommen tatsächliche Wirkung zeigt, war eine selbstauferlegte Hürde zu nehmen: Von den 197 Nationen, die der Weltklimakonferenz UNFCCC angehören, mussten mindestens 55 Länder, die zugleich für mindestens 55 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind, den Weltklimavertrag im eigenen Parlament ratifizieren. Anfang Oktober 2016 war auch das geschafft, einen Monat später, am 4. November 2016, trat das Paris-Protokoll in Kraft.

Was ist die UN-Klimakonferenz und was hat sie mit dem Pariser Klimaabkommen zu tun?

Die UN-Klimakonferenz (oder: COP für "Conference of the Parties") ist die jährliche Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC. Diese Konvention wurde im Jahr 1992 in Rio de Janeiro unterzeichnet und bis heute von 197 Staaten ratifiziert. Das Pariser Klimaabkommen wurde auf der 21. Klimakonferenz 2015, der sogenannten COP 21, am 12. Dezember 2015 in Paris beschlossen.

Das Übereinkommen von Paris ist seit Ende 2016 in Kraft

Weitere zwei Jahre darauf wurde im Dezember 2018 auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz das Regelbuch verabschiedet, nach dem die Klimaziele von Paris erreicht werden sollten.

"Was einst undenkbar schien, ist jetzt nicht zu stoppen."

Ban Ki Moon, bis 2016 UN-Generalsekretär

Die USA kündigen das Klimaabkommen auf und treten dann wieder bei

2016 änderte sich mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten das politische Klima in den Vereinigten Staaten: Im Juni 2017 verkündete Trump, dass die USA aus dem Klimavertrag aussteigen werden. Der endgültige Ausstieg erfolgte dann am 4. November 2020 - zufälligerweise genau zur nächsten Präsidentenwahl in den USA.

Joe Biden, der im Januar 2021 als neuer US-Präsident die Nachfolge von Trump antrat, machte diesen Schritt rückgängig: Am 20. Januar 2021 zeichnete er das für den Wiedereintritt nötige Schreiben an die Vereinten Nationen (UN) ab. Nach dreißig Tagen gehörten die USA wieder dem Klimaabkommen an.

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President Biden - Donnerstag, 21. Januar 2021, 02:57 Uhr
We're back in the Paris Climate Agreement.

Klimaabkommen von Paris: Unterschiede zum Kyoto-Protokoll

Vor allem Klima-Schwergewichte wie China, Brasilien, Indien und eben die USA haben das Klimaabkommen von Paris ratifiziert. Daran krankte es beim Vorgänger, dem Kyoto-Protokoll, bis zum Schluss. Auch das EU-Parlament in Straßburg hat mit großer Mehrheit für das Abkommen votiert. 195 Länder haben den Klimavertrag von Paris unterschrieben, 189 Staaten haben ihn auch ratifiziert, darunter auch die beiden Länder, die nicht unterschrieben hatten (Stand: August 2021).

Das Kyoto-Protokoll - Vorgänger des Pariser Abkommens

Erstmals verbindlich: das Kyoto-Protokoll

Sitzungspräsident Estrada verabschiedet 1997 in Kyoto das Klimaschutzprotokoll.

Am 11. Dezember 1997 wurde das Kyoto-Protokoll verabschiedet und war damit das erste internationale Abkommen mit verbindlichen Zielen und Maßnahmen zum Klimaschutz. Bis zu seinem Auslaufen hatten sich 192 Staaten darin verpflichtet, ihre Treibhausgase zu senken.

Erderwärmung durch Energiewende begrenzen

Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, soll das Abkommen die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzen, wenn möglich sogar auf nur 1,5 Grad Celsius beschränken. Hierfür strebt die Weltgemeinschaft im UN-Klimavertrag den Abschied von Öl, Gas und Kohle an.

Das Zwei-Grad-Ziel zum Klimaschutz

1,5 oder zwei Grad?

Seit der UN-Klimakonferenz im Jahr 2010 im mexikanischen Cancún strebt die Staatengemeinschaft danach, die Klimaerwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf nur zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken.

Viele Wissenschaftler halten dann die Veränderungen durch den Klimawandel für gerade noch steuerbar. Erwärmt sich die Erde stärker als diese zwei Grad, kommt es nach Meinung der Forscher zu drastischen und unumkehrbaren Umweltveränderungen.

Im Paris-Abkommen von 2015 bleiben die zwei Grad Celsius zwar das Ziel, doch angestrebt wird eine Beschränkung der Erwärmung auf nur 1,5 Grad Celsius. Doch selbst das ist keine verbindliche Marke, sondern nur eine erwünschte Anstrengung der Staaten.

Kritik am Klimavertrag: nur freiwillige Selbstverpflichtung

Größter Haken des Pariser Abkommens ist, dass es nicht rechtlich bindend ist, sondern auf freiwillige Umsetzung in den einzelnen Staaten setzt. Nur so konnte das andere große Ziel erreicht werden: dass möglichst viele Nationen den Klimavertrag anerkennen. Jedes Land soll daher selbst über seinen Beitrag entscheiden. Doch die bisherigen nationalen Klimaschutzpläne reichen bei Weitem nicht aus, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Auch Deutschland muss sich gehörig anstrengen, um seine Klimaschutzziele zu erreichen.

"Der kritischste Punkt ist, dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder erst im Jahr 2023 überprüft werden sollen, das ist aus meiner Sicht besorgniserregend."

Ottmar Edenhofer, Klimaforscher

Nur "moralische Appelle und Lippenbekenntnisse"

"Das Abkommen enthält vor allem moralische Appelle und Lippenbekenntnisse", kritisierte Hans-Werner Sinn, damals Präsident des ifo-Instituts. "Es sieht jedoch keinerlei Instrumente vor, mithilfe derer die unwilligen Länder zum Mitmachen bewegt werden können." Auch Hubert Weiger, der damalige Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), beklagte: "Die Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig."







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