Ernst, in weinroten Gewändern und kreuz-behangen – so schreiten die Kardinäle durch die heiligen Hallen im Vatikan-Thriller "Konklave". Der Film handelt von Intrigen rund um die Wahl eines neuen Papstes. Das traditionelle Outfit der Kardinäle musste Lisy Christl für diesen düsteren Thriller ganz neu interpretieren. Eine reizvolle Aufgabe, erzählt sie gegenüber dem BR: “Das Interessante ist ja, was Gegebenes neuzuinterpretieren und speziell, und das ist mir ganz wichtig, wann auch immer man das tut, das mit sehr viel Respekt zu tun.”
Fingerspitzengefühl und Charakterverständnis
Bereits 2012 war Christl für einen Oscar nominiert. Damals für den Historienfilm "Anonymus". Bei ihrer Arbeit ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, sagt sie – nicht nur beim Schneidern selbst: “Es geht darum, das Gefühl von einem Charakter zu erfassen. Sozialer Background, Geburtsort, Beruf, also viele Informationen. Und: Welches Gefühl möchte man spüren, wenn man diesen Charakter anschaut?”
Für ihre Kostüme in Konklave mixt Christl Tradition und Moderne. Eine Gratwanderung. Sogar der Einfluss des berühmten spanischen Designers Christobal Balenciaga ist zu spüren. Die Farbe der Gewänder ist im Film ein bisschen dunkler als im Original: "Das echte Kardinalsrot wäre zu grell gewesen", sagt Christl. Und auch zu den Kreuzen hat sie intensiv recherchiert: “Tatsächlich tragen die Kardinäle in der Regel Silber- und Goldkreuze. Ganz wenige tragen Holzkreuze, das ist ein ganz starkes politische Statement. Also sozusagen in moderner Sprache: Holz ist 'extrem links', weil das ein Zeichen ist, dass man sich sehr sorgt um die Exil- oder um die Geflüchtetenpolitik in der Welt. Silber ist mehr der liberale Weg und Gold ist mehr der konservative.”
Keine Liebe zum Fasching
Mit 60 Jahren ist Lisy Christl auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Nachdem sie schon den renommierten Branchenpreis der Costume Designers Guild für "Konklave" gewonnen hat, stehen ihre Chancen auf einen Oscar besser denn je. Für die Verleihung hat sie sich natürlich auch über ihr eigenes Outfit Gedanken gemacht: “Primär macht mir das Spaß, weil ich sehr wohl auch an aktueller Mode interessiert bin und das sicherlich auch immer wieder eine Rolle spielt bei meiner Arbeit. Ich habe mich auf diese Zeit genauso vorbereitet, wie ich mich auf einen Film vorbereite und das hängt hier auch an der Stange und wird morgen in den Koffer wandern.”
Ob ihre Leidenschaft für Kostüme auch mit einer Liebe zum Fasching einhergeht: “Mich verkleiden? Ne, macht mir gar keinen Spaß. Ich glaube, dass ich schon seit mindestens 20 Jahren auf keiner Faschingsveranstaltung war.”
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