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Aktuelle Studien Jugendschutz, Gefahren im Internet & Co

Die Risiken für junge Menschen im Netz verschärft sich zusehends: Kinder und Jugendliche werden mit gefährlichen Challenges, Hass, Gewalt, Verschwörungstheorien oder sexueller Anmache konfrontiert. Hier finden Sie aktuelle Studien zu diesen Themen.

Stand: 03.02.2025 |Bildnachweis

Balken und Kreisdiagramm mit Linien und Pfeilen | Bild: BR

Die kompetente Beherrschung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) trägt maßgeblich zum schulischen und beruflichen Erfolg bei. Die vorliegende Längsschnittstudie untersuchte bei Schüler*innen in Deutschland (n=14.000) innerhalb von drei Jahren die Entwicklung ihrer ICT Kompetenzen. Die Ergebnisse beruhen auf Daten der Startkohorte 4 des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Zum ersten Messzeitpunkt besuchten die Teilnehmer*innen eine neunte Schulstufe in unterschiedlichen Schulen aus dem gesamten deutschen Bundesgebiet. Eine Wiederholungsmessung erfolgte drei Jahre später im Alter von ca. 18 Jahren.

Die Ergebnisse zeigen, dass soziale Aktivitäten wie Chatten oder das Teilen von Bildern und Videos sich nicht positiv auf die Kompetenzen beim Umgang mit digitalen Kommunikations- und Informationstechnologien auswirken. Im Gegenteil kann eine zu intensive Nutzung sozialer Medien zu insgesamt geringeren digitalen Kompetenzen führen. Die Autoren sprechen von einem Gegensatz zwischen sozial-interaktiven und instrumentellen Nutzungsmotiven. Während die Nutzung digitaler Medien zur Unterhaltung und zum sozialen Austausch wenig anspruchsvoll ist, trägt dagegen etwa die gezielte Informationssuche bei einer Online-Recherche und die kompetente Bewertung der Suchergebnisse dazu bei, Kompetenzen beim Umgang mit digitalen Informationstechnologien zu entwickeln. Als problematisch beurteilen die Autoren auch die Gewohnheit der Nebenbei-Nutzung, denn soziale Medien wurden von den untersuchten Jugendlichen häufig parallel zu schulischen Aufgaben genutzt. Dieses Multitasking beeinträchtigt jedoch Verstehens- und Lernprozesse und tragen zu insgesamt geringeren digitalen Kompetenzen bei.

Laut der Studie unterscheiden sich Mädchen und Jungen nicht stark in ihrer ICT Kompetenz. Obwohl sich im Verlauf des Jugendalters bis zum Alter von 18 Jahren leichte Geschlechtsunterschiede zu Ungunsten von Mädchen herausbilden, erscheinen diese vergleichsweise gering. Allerdings schätzen Jungen ihre eigenen Fähigkeiten im Umgang mit ICT systematisch höher ein. Dies legt nach Meinung der Autoren nahe, dass die Unterrepräsentierung von Frauen in technologischen Ausbildungs- und Berufsfeldern nicht eine Folge geringerer Fähigkeiten in diesem Bereich ist. Vielmehr sind die Geschlechtsunterschiede im ICT-bezogenen Selbstvertrauen im mittleren Jugendalter bereits stark ausgeprägt, so dass Maßnahmen zur Förderung technologischen Interesses und Selbstwirksamkeitserwartung insbesondere im Kindes- und frühen Jugendalter sinnvoll sind, um die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern zu fördern.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse die Bedeutung des mittleren Jugendalters für den Erwerb von ICT Kompetenzen. Die Autoren fordern deshalb, dass die Vermittlung anspruchsvoller informationsbezogener Fertigkeiten standardmäßig in den fachbezogenen Unterricht integriert werden sollte.







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