Bayern 2

     

Bayerisches Feuilleton Zenz meets Franz

Die komplette Sendung hören

Sonntag, 02.10.2016
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Zenz meets Franz
Oder: Der Stenz auf der Stanz
Von Thomas Grasberger
Als Podcast verfügbar
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr

Wie kann es sein, dass ein Volksstamm, der so etwas Wunderbares wie eine weibliche Brust mit Begriffen aus der Forst- und Landwirtschaft belegt mit Ausdrücken wie "Holz vor der Hütte" oder "Milchgeschirr", nicht längst ausgestorben ist? Oder anders gefragt: Was kann Erotik in einem Landstrich bedeuten, in dem ein BH gelegentlich als "Krickerlhalter" firmiert, der die sogenannten "Gaudi-"oder auch "Spielnockerl" im Zaum zu halten hat? Ein Landstrich, in dem auch sonst offenbar sehr viel im Zaum gehalten werden musste und über Jahrhunderte hinweg alles, was sich südlich des Nabels und nördlich der Knie abspielte, als "Pfuibäh" oder - etwas erwachsener und theologisch-sachlicher formuliert - als "Unkeuschheit" verdammt wurde. Meist vergeblich freilich! Die Frage muss also lauten: Gibt es überhaupt eine bairische Erotik? Und wenn ja, warum (doch) nicht? Oder anders herum: Wenn nein, wie schaut sie (trotzdem) aus?

Denn allen erotischen missing links zum Trotz - irgendwas muss es ja gegeben haben, sonst wäre Altbaiern unbesiedelt geblieben; es gäbe also keinen bairischen Stamm und auch kein Bayerisches Feuilleton, das jenen Spuren nachgehen kann, die der brünftige Bavarian Lover einst bei seiner Suche nach einem Weibchen hinterlassen hat: in alten Gesetzbüchern, in der Literatur oder irgendwo in der Landschaft - in Form von umgefallenen Leitern infolge gescheiterter Kammerfensterl-Versuche. Denn der Stenz hat vor allem in Baiern sein (Un)Wesen getrieben und den Frauen auf mehr oder weniger charmante Weise den Hof gemacht. Und zwar schon lange bevor Georg Queri "kraftbayrisch" jenen Burschen beschreibt, der gern anbandelt: "Auf die Stanz gehn, auf der Stanz sein: ans Kammerfenster gehn, aber auch zu irgendeinem andern Vergnügen gehn."

Um die einen oder anderen "Vergnügen" geht es also, wenn Thomas Grasberger die alles entscheidende Frage zu beantworten versucht: Wie war das seinerzeit mit der Zenz und dem Franz? Lange vor dem Monaco Franze und seinen Freunden …

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.