Bayern 2 - Gedanken zum Tag







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Claudia Paganini Gedanken zur Fastenzeit

An jenem Freitagnachmittag, an dem Jesus stirbt, verdunkelt sich der Himmel, wie es in drei der vier Evangelien heißt – und die Sonne wird kalt.

Stand: 29.03.2025 |Bildnachweis

Gedanken zur Fastenzeit | Bild: BR

29 März

Samstag, 29. März 2025

An jenem Freitagnachmittag, an dem Jesus stirbt, verdunkelt sich der Himmel, wie es in drei der vier Evangelien heißt – und die Sonne wird kalt. Dieser Moment der kosmischen Krise wird oft als Ausdruck des tiefen Einschnitts interpretiert, den der Tod Jesu darstellt. Doch was bedeutet ein verdunkelter Himmel in Zeiten der Klimakrise, in einer Zeit, in der die Erde unter den Folgen menschlichen Tuns zu zerbrechen droht?
Die Klimakrise ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern eine Realität, die sich in Hitzewellen, Überschwemmungen und dem Verlust von Lebensräumen manifestiert. Die Dunkelheit, die im Moment des Kreuztodes Jesu über die Erde hereinbricht, zeigt eindrücklich, dass die Schöpfung nicht isoliert von den Entscheidungen des Menschen besteht. Jesus stirbt, weil die Menschen seiner Zeit die Konsequenzen ihres egoistischen Handelns nicht erkannt haben. Diese Dynamik besteht auch heute: Das Maximieren von Profit, das Zelebrieren des Konsums und Vernachlässigen dessen, was man theologisch gesprochen Schöpfungsverantwortung nennt, haben an einen Punkt geführt, wo sich der Himmel für immer zu verdunkeln droht. Die symbolische Verdunkelung des Himmels am Karfreitag ist ein Weckruf: Strukturen und Systeme müssen hinterfragt und verändert werden, Gesellschaft, Politik und Glaubensgemeinschaften aufhören, zögerlich zu handeln. Nur wenn das gelingt, ist die Dunkelheit, die sich bei Jesu Tod ausbreitet, kein endgültiger Zustand, sondern markiert den Augenblick einer Wende.

Claudia Paganini / unveröffentlichter Text







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