Bayern 2 - Gedanken zum Tag







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Uwe Birnstein Gedanken zur Passionszeit

Jung war ich, 14, 15 Jahre alt – die Jugendgruppe in meiner evangelischen Kirche, die machte Spaß: Tischtennis, Feiern, Badesee, auch mal einen Gottesdienst mitgestalten.

Stand: 31.03.2025 00:01 Uhr |Bildnachweis

Gedanken zur Passionszeit | Bild: BR

31 März

Montag, 31. März 2025

Jung war ich, 14, 15 Jahre alt – die Jugendgruppe in meiner evangelischen Kirche, die machte Spaß: Tischtennis, Feiern, Badesee, auch mal einen Gottesdienst mitgestalten. Und natürlich die Freizeiten jedes Jahr! Eines Tages gab es allerdings eine Enttäuschung: Wir wollten eine verspätete Faschingsparty feiern, am Wochenende nach Aschermittwoch. „Das geht nicht“, meinte unser Pfarrer, den wir sehr schätzten. Warum? „Da ist schon Passionszeit“, antwortete er, das sei nunmal eine stille Zeit, erst recht im Gemeindehaus.
Wir waren enttäuscht und genervt. An einer lebendigen Kirche wollten wir mitarbeiten, wir genossen das Vertrauen, das uns von den Gemeindeverantwortlichen entgegengebracht wurde. Und nun das: Feiern verboten. Schluss mit lustig. Hä?! Und was für eine Begründung: „Passionszeit“. Weil Jesus litt, durften wir nicht feiern?
Bis heute, Jahrzehnte sind vergangen, denke ich über diese Erfahrung nach. Inzwischen hat sich mir der Sinn des Kirchenjahres erschlossen. Freude und Leid, Feiern und Stille – alles spiegelt sich im Jahreslauf wider: Wie ein Geländer für die Seele kommt mir das vor. Und tatsächlich verzichte ich heute in der Passionszeit auf das Feiern. Nicht weil ich es nicht darf – wer wollte mir das schon verbieten? Nein, weil es meiner Seele guttut, mal still zu werden in der Zeit bis Ostern.

Uwe Birnstein / unveröffentlichter Text







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