Bettina Reitz Die Frau für außergewöhnliche Stoffe
Sie holte für den BR den Oscar, gewann unzählige Preise und ist selbst mehrfach ausgezeichnet. Bettina Reitz ist gewohnt mit Superlativen umzugehen. Sie besitzt ein außergewöhnliches Gespür für Qualität, aber auch für die Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Am 1. Juni trat sie ihre Stelle als BR-Fernsehdirektorin an.

Eine berufliche Karriere als Köchin oder Detektivin hätte sich Bettina Reitz als Mädchen durchaus vorstellen können. Es sollte ein Berufsbild sein, mit dem sie vor ihren männlichen Spielkameraden bestehen konnte. "Prinzessin wäre zu peinlich gewesen", erzählt die Frankfurterin. Doch weder das eine noch das andere sollte es später einmal werden.
"Als Kind habe ich Hörspiele gemacht und meine jüngere Schwester als Geräuschemacherin eingesetzt."
Bettina Reitz
Ein Leben in Bildern
Die Welt der Bilder war es, die Bettina Reitz schon früh faszinierte: Bilder, die im Kopf entstanden während ihrer hauseigenen Hörspielproduktionen. Bilder, die über die Leinwand des familieneigenen Dorfkinos flimmerten oder zuhause über den Fernsehschirm - die Kinder hatten schon früh von den Eltern einen kleinen, roten Schwarz-Weiß-Fernseher geschenkt bekommen, damit sie nicht ständig am Programm herumnörgelten. "Vielleicht wurde durch all diese Erfahrungen mein Blick geschult und meine Begabung, erzählerisch zu gestalten und in Dramaturgien zu denken, gefördert", meint die Medienmanagerin rückblickend.
Sechs Fragen an die neue Direktorin
Die "Oscar-Macherin"
Nach dem Abitur studierte Reitz in Frankfurt Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften sowie Psychologie. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Autorin, Redakteurin, Produzentin und Regieassistentin unter anderem für den HR, WDR und das ZDF. 1999 gründete sie mit Nico Hofmann die Produktionsfirma TeamWorx. 2003 wechselte sie zum BR und wurde Leiterin des Programmbereichs Spiel-Film-Serie.
Bettina Reitz galt schon früh in der Branche als eine der profiliertesten Fernsehfrauen. Die von ihr betreuten oder in ihrem Programmbereich verantworteten Produktionen holten unzählige Preise. Ihr wohl größter Coup: Als niemand an den Erfolg des Filmes "Das Leben der anderen" glaubte, sie tat es und erkannte gemeinsam mit ihrem BR-Team das Potential des Films und seines bis dahin unbekannten Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck. Sie kämpften über alle Instanzen für finanzielle Mittel für die Koproduktion des Stasi-Dramas. 2007 bekam der Film einen Oscar und zahlreiche nationale wie internationale Auszeichnungen.
Dahoam is Dahoam
Bettina Reitz setzte hohe qualitative Standards beim Bayerischen Fernsehen, international wie regional. Denn obwohl in Hessen geboren, verlieh sie ihrem Programmbereich auch reichlich bayerisches Lokalkolorit. Sie machte sich für die Produktion zahlreicher Heimatkrimis stark und gab den Startschuss für die beliebte BR-Serie "Dahoam is Dahoam".
"Die Liebe zur Kunst ist ein wesentlicher Bestandteil für das Leben."
Bettina Reitz
Steckbrief
Große Herausforderungen
Wenn Bettina Reitz zum 1. Juni von der ARD-Tochter Degeto zum Bayerischen Rundfunk wechselt, warten große Herausforderungen auf sie: Sie will das hohe Niveau der Programmbereiche halten und setzt auf neue Formate auch mit Blick auf die jüngere Zielgruppe. Außerdem wird sie als neue Direktorin die trimediale Entwicklung mit umsetzen.
Auszeiten
Trotz ihrer beruflichen Höchstleistungen ist die 49-Jährige absoluter Familienmensch und gesteht sogar einen gewissen Hang zur Häuslichkeit: "Dank meiner Mutter – einer leidenschaftlichen Hausfrau – verfüge ich über annehmbare Grundkenntnisse im Kochen und Backen und habe meine häusliche Ader bis heute erhalten." Und sie schafft es auch mitunter, Zeit für ihre Hobbies zu finden: "Die meisten konnte ich zum Glück zu meinem Beruf machen." Ansonsten spielt sie Tennis, mittelmäßig wie sie betont, ein bisschen Klavier, entspannt sich bei Yoga und gönnt sich "hin und wieder originelle und verrückte Tagträume".