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Bettina Reitz Die Frau für außergewöhnliche Stoffe

Sie holte für den BR den Oscar, gewann unzählige Preise und ist selbst mehrfach ausgezeichnet. Bettina Reitz ist gewohnt mit Superlativen umzugehen. Sie besitzt ein außergewöhnliches Gespür für Qualität, aber auch für die Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Am 1. Juni trat sie ihre Stelle als BR-Fernsehdirektorin an.

Von: Ursula Zimmermann

Stand: 01.06.2012 |Bildnachweis

Bettina Reitz | Bild: picture-alliance/dpa

Eine berufliche Karriere als Köchin oder Detektivin hätte sich Bettina Reitz als Mädchen durchaus vorstellen können. Es sollte ein Berufsbild sein, mit dem sie vor ihren männlichen Spielkameraden bestehen konnte. "Prinzessin wäre zu peinlich gewesen", erzählt die Frankfurterin. Doch weder das eine noch das andere sollte es später einmal werden.

"Als Kind habe ich Hörspiele gemacht und meine jüngere Schwester als Geräuschemacherin eingesetzt."

Bettina Reitz

Ein Leben in Bildern

Die Welt der Bilder war es, die Bettina Reitz schon früh faszinierte: Bilder, die im Kopf entstanden während ihrer hauseigenen Hörspielproduktionen. Bilder, die über die Leinwand des familieneigenen Dorfkinos flimmerten oder zuhause über den Fernsehschirm - die Kinder hatten schon früh von den Eltern einen kleinen, roten Schwarz-Weiß-Fernseher geschenkt bekommen, damit sie nicht ständig am Programm herumnörgelten. "Vielleicht wurde durch all diese Erfahrungen mein Blick geschult und meine Begabung, erzählerisch zu gestalten und in Dramaturgien zu denken, gefördert", meint die Medienmanagerin rückblickend.

Sechs Fragen an die neue Direktorin

Kreativität

Sie sind erfolgreiche Produzentin. Haben Sie nicht ein bisschen Angst, dass Sie als neue Fernsehdirektorin mehr verwalten als bewegen?

Oft lautet die Kritik genau andersherum: Die, die verwalten, kennen zu wenig das "Programmmachen". Mir ist wichtig, gegenseitiges Verständnis für unsere Arbeit zu intensivieren und vom Schubladendenken wegzukommen: Kreativität kontra Verwaltung.
Ideen müssen überall willkommen und Veränderungen erwünscht sein. Auch wenn wir Bewährtes erhalten und anerkennen, brauchen wir vor Veränderungen, wenn wir sie gemeinsam mittragen und mitgehen, keine Angst zu haben.

Die "Oscar-Macherin"

Bettina Reitz und ...

Nach dem Abitur studierte Reitz in Frankfurt Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften sowie Psychologie. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Autorin, Redakteurin, Produzentin und Regieassistentin unter anderem für den HR, WDR und das ZDF. 1999 gründete sie mit Nico Hofmann die Produktionsfirma TeamWorx. 2003 wechselte sie zum BR und wurde Leiterin des Programmbereichs Spiel-Film-Serie.

Bettina Reitz galt schon früh in der Branche als eine der profiliertesten Fernsehfrauen. Die von ihr betreuten oder in ihrem Programmbereich verantworteten Produktionen holten unzählige Preise. Ihr wohl größter Coup: Als niemand an den Erfolg des Filmes "Das Leben der anderen" glaubte, sie tat es und erkannte gemeinsam mit ihrem BR-Team das Potential des Films und seines bis dahin unbekannten Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck. Sie kämpften über alle Instanzen für finanzielle Mittel für die Koproduktion des Stasi-Dramas. 2007 bekam der Film einen Oscar und zahlreiche nationale wie internationale Auszeichnungen.

Dahoam is Dahoam

Bettina Reitz bei einer Pressekonferenz zu "Dahoam is Dahoam" 2010

Bettina Reitz setzte hohe qualitative Standards beim Bayerischen Fernsehen, international wie regional. Denn obwohl in Hessen geboren, verlieh sie ihrem Programmbereich auch reichlich bayerisches Lokalkolorit. Sie machte sich für die Produktion zahlreicher Heimatkrimis stark und gab den Startschuss für die beliebte BR-Serie "Dahoam is Dahoam".

"Die Liebe zur Kunst ist ein wesentlicher Bestandteil für das Leben."

Bettina Reitz

Steckbrief

Film-Auszeichnungen (Auswahl)

"Das Leben der anderen" (Regie: Florian Henckel von Donnersmarck) erhielt den Oscar, eine Golden-Globe-Nominierung, den César, den Europäischen Filmpreis für den besten europäischen Film und den BAFTA Award für den besten nicht englischen Film.
"Sophie Scholl – Die letzten Tage" (Regie: Marc Rothemund) war oscarnominiert und erhielt zahlreiche nationale wie internationale Filmpreise.
"Das weiße Band" (Regie: Michael Haneke) war oscarnominiert, erhielt den Golden Globe, die Goldene Palme und zahlreiche nationale wie internationale Filmpreise.
"Wer früher stirbt ist länger tot" (Regie: Marcus H. Rosenmüller) erhielt u.a. den Deutschen Filmpreis.
"Marias letzte Reise" (Regie: Rainer Kaufmann) erhielt u.a. den Deutschen und Bayerischen Fernsehpreis sowie den Grimme-Preis.
Die ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" (Regie: Bora Dagtekin) erhielt u.a. den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis und zahlreiche internationale Auszeichnungen.
"Polizeiruf 110 - Rosis Baby" (Regie: Andreas Kleinert) war für den Grimme-Preis nominiert, erhielt u.a. den Robert-Geisendörfer-Preis.
"Toter Mann" (Regie: Christian Petzold) erhielt u.a. den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis.
"Drei Leben" (Regie: Dominik Graf, Christian Petzold und Christoph Hochhäusler) erhielt u.a. den Grimme-Preis.

Große Herausforderungen

Bettina Reitz mit den BR-Tatort-Kommissaren Udo Wachtveitl (links) und Miroslav Nemec

Wenn Bettina Reitz zum 1. Juni von der ARD-Tochter Degeto zum Bayerischen Rundfunk wechselt, warten große Herausforderungen auf sie: Sie will das hohe Niveau der Programmbereiche halten und setzt auf neue Formate auch mit Blick auf die jüngere Zielgruppe. Außerdem wird sie als neue Direktorin die trimediale Entwicklung mit umsetzen.

Auszeiten

Bettina Reitz mit ihrem Sohn Adrian 2009 bei der Filmpremiere von "Lippels Traum".

Trotz ihrer beruflichen Höchstleistungen ist die 49-Jährige absoluter Familienmensch und gesteht sogar einen gewissen Hang zur Häuslichkeit: "Dank meiner Mutter – einer leidenschaftlichen Hausfrau – verfüge ich über annehmbare Grundkenntnisse im Kochen und Backen und habe meine häusliche Ader bis heute erhalten." Und sie schafft es auch mitunter, Zeit für ihre Hobbies zu finden: "Die meisten konnte ich zum Glück zu meinem Beruf machen." Ansonsten spielt sie Tennis, mittelmäßig wie sie betont, ein bisschen Klavier, entspannt sich bei Yoga und gönnt sich "hin und wieder originelle und verrückte Tagträume".