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Pressemitteilung Die Akte GBW – ein bayerischer Wirtschaftskrimi

Einer der größten Immobiliendeals Deutschlands wirft neue Fragen auf. Im Jahr 2013 hat die Bayerische Landesbank rund 30.000 Wohnungen der Gemeinnützigen Bayerischen Wohnungsgesellschaft GBW verkauft. Nach Informationen von BR Recherche handelt es sich bei dem Käufer um ein komplexes Firmenkonstrukt, das auf Steuerersparnis und Anonymität ausgelegt ist. Seine Spur führt v.a. nach Luxemburg. Das Finanzministerium in München hatte nach dem Verkauf immer betont, die GBW bleibe bayerisch.

Stand: 12.10.2016

Zum Preis von knapp 2,5 Milliarden Euro erhielt ein vom Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia geführtes Bieterkonsortium den Zuschlag. Nach Informationen von BR Recherche gehören die 30.000 ehemals staatlichen Wohnungen heute einem komplexen Firmenkonstrukt. Dieses ist überwiegend in Luxemburg und den Niederlanden angesiedelt. Das Gebilde ist aus Sicht von Experten auf Steuerersparnis und Anonymität angelegt. Nach dem Verkauf hatte der bayerische Finanzminister Markus Söder betont: „Die GBW bleibt bayerisch.“ Auf Nachfrage räumt sein Ministerium nun ein, dass nähere Informationen über die Gesellschafterstruktur und das dahinterliegende Firmenkonstrukt beim Verkauf nicht vorlagen.

Erster Verkaufsversuch 2008

Bis heute sagt das Finanzministerium darüber hinaus, dass die GBW vor vier Jahren aufgrund des Beihilfeverfahrens der EU verkauft werden musste. Nach BR-Informationen hat es aber schon 2008 einen ersten Verkaufsversuch gegeben, also deutlich vor dem Beihilfeverfahren. Dieser wurde in der Finanzkrise abgebrochen. Weder das Finanzministerium noch die BayernLB wollten dies kommentieren.

Aufkauf durch Kommunen

Seit dem Verkauf 2013 sind die Mieten für viele GBW-Wohnungen deutlich gestiegen. Einige Kommunen wenden daher hohe Beträge auf, um der GBW Wohnungen abzukaufen und dadurch bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Allein die Stadt München hat nach Informationen von BR Recherche dafür bislang einen dreistelligen Millionenbetrag bezahlt.

Recherche-Ergebnisse in neuem Format

Neben der aktuellen Berichterstattung wird der Bayerische Rundfunk die Recherche in einer sechsteiligen Podcast-Serie darstellen. Titel: Die Akte GBW – ein bayerischer Wirtschaftskrimi.
Alle Folgen werden sind seit Mittwoch, 12.10.16, online unter der Adresse www.br24.de abrufbar. Im linearen Programm sendet die Bayern 2 radioWelt ab heute zweimal täglich (06.50 Uhr und nach 17 Uhr) je eine Kurzfassung der Podcast-Folgen.

Aktuell berichtet der BR am heutigen Mittwoch in folgenden Programmen über das Thema:

Online:
in der App BR24 sowie in dem Dossier auf der Seite BR24.de: http://br.de/s/2VoEp4R

BR-Hörfunk:
Bei B5aktuell in den Nachrichtensendungen, in der radioWelt auf Bayern 2 und in Bayern1 am Morgen.

Im Fernsehen:
Rundschau um 18.30 Uhr
Politikmagazin Kontrovers um 21.00 Uhr

Zu BR Recherche: Die trimediale Einheit BR Recherche gibt es seit 1. Februar 2016. Sie arbeitet nicht für eine bestimmte Sendung, sondern veröffentlich ihre Inhalte in verschiedenen Programmen: im Hörfunk, im Fernsehen und online - im BR und in der ARD.
www.br.de/recherche
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