Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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7. März 1971 Die erste "Sendung mit der Maus"

Ihr bester Freund ist ein Elefant - und das seit Kindergedenken. Dass sich die beiden so lange so gut verstehen würden, war von Anfang an gar nicht klar. Macht aber nichts. Ist gut so.

Stand: 07.03.2014 | Archiv

07.03.1971: Die erste "Sendung mit der Maus"

07 März

Freitag, 07. März 2014

Autor(in): Anja Mösing

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Über Vierzig! Und dann noch dauernd mit den Augen klimpern? So laut, dass es wirklich jeder hören kann? Nie den Mund aufmachen? Und immer mit lautem Tock-Tock-Tock davon trippeln? Das muss nicht peinlich sein! Ganz im Gegenteil: Es kann ein Konzept sein!

Zumindest für eine Maus; DIE Maus, die seit dem siebten März 1971 eine eigene Fernsehsendung hat. Zwar hieß die Sendung am Anfang noch Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger. Aber dass dieser spröde Name nicht ganz so einprägsam klingt, haben die Macher der Sendung selbst nach einem Jahr erkannt. Seitdem heißt sie: Die Sendung mit der Maus. Peinlich war es ihnen nicht, den Sendungstitel so fix wieder zu ändern. Da hatten sie zu Beginn ganz andere Nüsse zu knacken. Zuerst mal die Frage: Was ist für Kinder im Fernsehen so richtig gut? Denn für Kinder unter sechs Jahren gab es damals kein Programm, noch nicht mal die Sesamstrasse.

Ein Magazin muss es sein

Einig waren sich die Maus-Macher, dass ein Magazin-Format gut funktioniert.
Da brauchen die Kinder an einem Thema höchstens sieben Minuten lang dran zu bleiben. Dann kommt schon wieder ein Maus-Zeichentrick-Film, danach vielleicht eine Bildergeschichte, dann wieder eine Maus und immer so weiter bis die halbe Stunde Sendezeit um ist. Und dass der Vorspann zweimal hintereinander gezeigt wird: Einmal mit deutschem Text, dann einmal in irgendeiner fremden Sprache, die alle Zuschauer zusammen erraten können : "Das war ... ? Türkisch!" Eine super Idee! Auch dass die Zeichentrick-Maus natürlich nicht grau ist, wie die meisten Mäuse, sondern orange! Das ging in den wilden Siebzigern eh klar!

Was sonst noch sein muss?

Nur wie die kurzen Filme zwischen den Maus-Episodenerzählt werden sollten, das war für die Pioniere der Maus noch Experimentierfeld. Wenn schon Bildmedium, dann aber pur! Das war zu Beginn die Idee. Darum flimmerten die allerersten Erklär-Filme fast als Stumm-Filme über den Bildschirm. Wie wird eine Semmel gemacht? Woher kommt die Milch? Das sollten die Kinder-Zuschauer ohne Worte verstehen. Und dabei vor allem selber denken! Zur Untermalung der anschaulichen Filme gab es reichlich Geräusche und Musik. Kam nicht so gut an. Wurde geändert. War nicht schlimm. Stumm bleiben durfte nur die Maus! Bei der ist es Konzept und schön.

Ärgerlich waren die Vorwürfe, dass die Sendung Kinder sprachlos mache und sich auch nicht genügend politisch engagieren würde. Solche Post kam in rauen Mengen. "Macht mal! Wird schon!" war die coole Devise der Chefs. Dafür wollten sie Neugier ganz groß schreiben. Und dass es keine dummen Fragen gibt.

Bald hatten die Maus-Macher eine so tolle Sendung am Start, dass sie dafür mit Preisen überschüttet wurden: Grimme Preis, Goldene Kamera, Fernsehpreis und sogar das Bundesverdienstkreuz für die beiden Stars neben der Maus, die Erklär-Filmer Armin mit der Brille und Christoph mit dem grünen Pulli.

Und sie haben es verdient.

Immerhin haben sie nichts weniger als einen echten All-Age-Seller entwickelt. Eine  Sendung, vor der ständig nachwachsende Kinder und Erwachsene seit mehr als vierzig Jahren gebannt hocken. Diese Maus-Fans wissen, dass es gerade die einfachen Fragen oft gewaltig in sich haben. Wussten eh schon die alten Philosophen!

Und wer sich einer Frage vom Kaliber "Wer bin ich?" stellt, der darf gern mit den Augen klimpern. Oder?


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