Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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16. Januar 1901 Arnold Böcklin gestorben, Flugpionier, Maler

Vielleicht war es ein Glück für Arnold Böcklin, dass er Maler wurde und nicht Flugpionier, wie es sein großer Traum war. So starb er am 16. Januar 1901 eines natürlichen Todes und nicht in einem seiner abenteuerlichen Fluggeräte.

Stand: 16.01.2014 | Archiv

16.01.1901: Arnold Böcklin gestorben, Flugpionier, Maler

16 Januar

Donnerstag, 16. Januar 2014

Autor(in): Leo Hoffmann

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Julia Zöller

"Ich möchte probieren, ob ich ein wenig von dieser langweiligen Erde loskommen kann". So nüchtern fasst Arnold Böcklin seine lebenslange Sehnsucht zu fliegen zusammen. Da beschäftigt der erfolgreiche Maler sich bereits seit über 30 Jahren mit Flugversuchen: Seinen ersten Flugapparat hatte er Mitte der 1850er-Jahre in Rom konstruiert und in der Reitschule der päpstlichen Kavallerie getestet. Ein Ballon sollte den Apparat in die Höhe tragen. Oben sollte die Maschine vom Ballon gelöst werden, um schwebend selbständig weiterzufliegen.

Trümmermasse aus Stangen und Leinwandfetzen

Wie dieses Experiment ausging, ist nicht überliefert, doch Arnold Böcklin war sich sicher, dass ein "Fliegen ohne Flügelschlag" möglich sei, sobald sich zwei Kräfte verbänden: "Erstens die Kraft des Windes, die waagerecht wirkt und zweitens die Kraft der Schwere, die jeden frei schwebenden Gegenstand zu Boden zieht."

Den Beweis für diese These lieferten ihm Vögel. Beinahe besessen beobachtete er ihr Flugverhalten: "Hat sich die Schwalbe vom Nest herunterfallen lassen, nachdem sie durch Abstoßen sich in die richtige Lage, Kopf abwärts, gebracht, so biegt sie den Schwanz nach oben. Die Flugfläche ist nun gebogen und kann nicht mehr in grader Linie vorwärts fallen, sondern beginnt einen der Biegung entsprechenden Kreis zu beschreiben."

Egal ob Eindecker, Doppeldecker oder Bambus-Leinwandkonstruktionen - sämtliche Flugapparate, die der Maler austüftelt, versuchen diesen Bewegungsablauf nachzuahmen. 1881 baut Böcklin aus Bambusstangen, Fichtenholz und Leinwand eine Art Kastendrachen. Seine beiden Flügel bestehen aus drei waagerecht übereinander in gleichen Abständen angeordneten Flächen. Als die Flugmaschine westlich von Florenz, bei Vigliano, starten soll, bricht ein Hagelgewitter los. Innerhalb weniger Minuten ist die fragile Konstruktion eine schmutzige Trümmermasse aus Stangen und Leinwandfetzen. Im Jahr darauf wiederholt der Maler den Versuch. Diesmal zerbricht ein Windstoß die Maschine, bevor er starten kann.

Enttäuschter Maler

Jeder andere hätte aufgegeben, nicht jedoch Böcklin: Im August 1883 lässt er auf dem Tempelhofer Feld in Berlin mit Hilfe der Soldaten des Eisenbahn-Regiments zwei Gleitflieger montieren. Der erste wird von einer Windböe erfasst und zerstört. Dem zweiten Fluggerät reißt ein kräftiger Windstoß beide Flügel ab. Der Rumpf bleibt mit dem enttäuschten Maler zurück. Ernüchtert schreibt Böcklin an seine Frau: Ich habe mich entschlossen, für jetzt mein Unternehmen aufzugeben und zurückzukehren.

Doch das Fliegen lässt ihn einfach nicht los: 1894, Arnold Böcklin ist bereits
67 Jahre alt, zeichnet er einen Monoplan, einen Segelflieger mit einer durchgehenden Tragfläche. Obwohl der Physiker Hermann von Helmholtz und der Erfinder Werner von Siemens sich heftig für diese Konstruktion interessieren, unterbleiben weitere Flugversuche - was dem Maler vermutlich das Leben rettet. Und so stirbt Böcklin am 16. Januar 1901 eines natürlichen Todes - als Maler berühmt, als Flieger vergessen.


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