Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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28. August 1787 Schiller feiert Goethes Geburtstag

Während Goethe 1787 in Italien weilte, feierten seine Freunde seinen Geburtstag in Abwesenheit in seinem Garten.

Stand: 28.08.2013 | Archiv

28.08.1787: Schiller feiert Goethes Geburtstag

28 August

Mittwoch, 28. August 2013

Autor(in): Gabriele Bondy

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Bernhard Kastner

Fans feiern ihn Jahr für Jahr. Mag der Geehrte auch durch Abwesenheit glänzen. Auch heute werden um Glockenschlag 12 in seinem - Goethes - Garten wieder die Gläser klingen. Ganz egal, zum wievielten Male man sein Wiegenfest nun zelebriert. Damals jedenfalls - am 28. August 1787 - zu seinem 38. Geburtstag weilte der Hausherr gerade in Rom. Die Schlüssel hatte er den Freunden dagelassen, so dass die ganz nach Belieben schalten und walten konnten. Sie aber vermissten ihn sehr. Schiller besonders, obwohl er noch gar nicht zu Goethes Freunden zählte.

Ich bin ungeduldig, Goethe zu sehen. Wenige Sterbliche haben mich so interessiert.

Eigentlich war er ja überhaupt nur Goethes wegen nach Weimar gekommen ... obwohl es noch ein paar andere geistvolle Zeitgenossen hier gab ... sogar bei Hofe. Aber der aufmüpfige Schwabe schmollte. Das vornehme Völkchen langweilte ihn schrecklich. Auch Goethes Gönner, der Herzog Carl August, war außer Landes. Lediglich der Kirschkuchen, den dessen Mutter, Musenhof-Begründerin Anna Amalia, ihm vorgesetzt hatte, fand Gnade in seinen Augen, weil der ganz ohne Kerne war! - Doch zurück zu Goethe. 

Seine Reise nach Italien hat er seit Kindheit an schon in seinem Herzen herumgetragen ...

Die in Weimar bangten: Würde er überhaupt zurückwollen? Oder lieber seine Geheimratstätigkeit an der Ilm mit einem Posten an der Malerakademie am Tiber vertauschen? Wo er doch in Rom alles, alles schlichtweg "paradiesisch" fand? Sogar die Riesenhitze verleitete ihn zum Schwärmen ...

Dass ich also einmal sagen kann, ich habe e i n e n Sommer gelebt!

Na, ja, einen Sommer ... und noch etliche mehr, wie wir im Nachhinein wissen. Sei’s drum: Während Goethe in Italien schwitzte, rüsteten die Getreuen in Thüringen zum Jubelfest. Intimfreund Knebel hatte alles gerichtet. Und Schiller langte kräftig zu:

Wir fraßen herzhaft ...

... lässt er einen Freund wissen und auch, dass er dem Rheinwein ordentlich zugesprochen habe. Auf Goethes Wohl, versteht sich! Es galt aber auch, allerhand Ärger runterzuspülen, darüber, dass vor Ort Goethe und eben nur Goethe angebetet wurde. Ein bisschen ungerecht war das schon. War er - Schiller - nicht auch ein Dichter?

Goethes Geist hat alle Menschen, die sich zu seinem Zirkel zählen, gemodelt.

Und das hieß damals vor allem:

Zurück zur Natur!

Steine sammeln, Blumen pflanzen, Bäume besingen!

Wo blieb da die philosophische Seite des Seins?

Eine gewisse Einfalt der Vernunft bezeichnet Goethe und seine ganze hiesige Sekte!

... schimpft Schiller. Denn selbst der ansonsten so kritische Herder gerät beim Thema Goethe ins Schwärmen:

Alles, was er ist, ist er ganz ... und er kann vieles zugleich sein!

Zumindest - probeweise - auch mal Papst. Jedenfalls nutzte der Wahlrömer Goethe gerne die mittägliche Stunde, um in der Sixtinischen Kapelle Siesta zu halten ... auf dem Sessel des Pontifex Maximus. Wo sonst? Von wem er dabei wohl geträumt hat? Von Schiller gewiss nicht.

Schwerlich vermutete er in Italien, dass er mich unter den Hausgästen habe, aber das Schicksal fügt die Dinge wunderbar ...

... vermeldet Schiller unverhofft versöhnlich. Der Abend verlief ruhig und heiter. Herr von Knebel, der Maître de plaisir, hatte noch ein kleines Feuerwerk gezündet, um Goethes Garten zu illuminieren. Und auch ein ganz spezieller Freund des Hausherrn machte seine Aufwartung:

Der Mond!

So hat es sich zugetragen, damals in Weimar, am 28. August anno 1787, als Schiller in Abwesenheit des Herrn von Goethe dessen 38. Geburtstag feierte. Auch heute wird der Hausherr in seinem Garten wieder gefeiert werden. Gefallen würden sie ihm schon, all die festlich gekleideten Leute, die zwischen den Rabatten herumspazieren, den Versen des Meisters und der Musik Mozarts lauschend. Dann werden sie das Glas eins ums andere Mal auf ihn erheben und selbst ein bisschen erhoben sein.


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