Bayern 2 - Die Welt am Morgen







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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Ausbeutung im All

Die Zeiten sind unsicherer denn je. Worauf ist noch Verlass? Auf den öffentlichen Dienst, sollte man meinen. Von wegen. Lesen Sie das Kleingedruckte, bevor man Sie das nächste Mal irgendwo hinschickt! Eine Glosse von Ralf Thume.

Von: Ralf Thume

Stand: 26.03.2025 |Bildnachweis

Entschuldigung, sind Sie grad im Auto unterwegs oder mit der Bahn? Auf Dienstreise? Wieder mal länger, vielleicht sogar übers Wochenende? Und heut Abend wird’s bestimmt wieder später? Noch so viel zu erledigen. Ach ja, aber einer oder eine muss es ja machen! Damit der Laden läuft. Und immerhin: Es kommt ja was rum dabei, Überstunden, Wochenendzuschlag…

Sie sind nicht gerade mit einer Rakete unterwegs Richtung Internationale Raumstation? Natürlich nicht, was für eine blöde Frage. Aber Sie wären’s vielleicht mal gern, mal maximal raus aus dem Alltag, ein bisschen Außerirdischer spielen, mit Premium-Blick auf den blauen Planeten? Ich sag Ihnen was: Ihr blaues Wunder würden Sie erleben, finanziell, wenn’s so wär!

Gut eine Woche hätten sie eigentlich dort oben verbringen sollen, gut neun Monate sind am Ende draus geworden

So wie Suni Williams und Butch Wilmore – das sind die beiden US-Astronauten, die vor gut einer Woche von der ISS zurückgekehrt sind. Gut eine Woche hätten sie eigentlich dort oben verbringen sollen, gut neun Monate sind am Ende draus geworden, wegen technischer Probleme. Und nun haben die beiden erfahren, dass sie für all ihre Überstunden und Wochenenden und Feiertage keinen Cent mehr bezahlt bekommen. Sie werden von der NASA an der Nase herumgeführt und behandelt wie jeder popelige Regierungsangestellte auf Dienstreise: Gehalt gibt’s für eine 40-Stunden-Woche plus pauschal fünf Dollar pro Tag für unvorhergesehene Nebenausgaben. Wie Trinkgelder zum Beispiel.

Da spart man im Orbit natürlich Einiges, aber trotzdem: Wo bleibt die Gewerkschaft für Fernfahrer, wenn man sie mal braucht? Und wo bleibt der Aufschrei der Ausgebeuteten? Neun Monate in der Schwerelosigkeit bezahlt nämlich jeder mit seiner Gesundheit. Das ist bewiesen. Die Muskeln schlaffen ab, die Knochen bröseln, das Blut steigt einem zu Kopf und drückt auf den Sehnerv, in Hohlräumen im Hirn staut sich Flüssigkeit und lässt einem den Schädel schier platzen. Sogar die Bakterien im Darm drehen durch.

Wütend, alt, kurzsichtig, mit orangerotem Kopf und Dauerverstopfung schlägt man wieder hier auf. Und nur einer versteht, was man durchmacht. Nur einer dankt’s einem. Donald Trump will die Überstunden für Butch und natürlich auch für Suni notfalls aus eigener Tasche bezahlen. 

Blöd nur, dass die beiden gar nichts wollen von ihm. Sie haben’s geliebt dort oben. Ihr Glücksort war das, sagt Suni. Warum wohl? Hat sie nicht gesagt. Aber man versteht’s auch so. Man wär ja selbst gern so lang wie möglich weit weg von dem da unten, koste es, was es wolle.







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