Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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14. Juni 1834 Isaac Fischer erhält Patent für Schleifpapier

Kanten, Oberflächen und, und, und… So vieles bedarf des Feinschliffs. Dafür braucht man Schmirgelpapier, gelegentlich auch als Glas-, Sand- oder Schleifpapier bezeichnet. Dass wir genug davon haben, verdanken wir Issac Fischer Jr. Er erhielt am 14. Juni 1834 zwei US-Patente. Autorin: Yvonne Maier

Stand: 14.06.2021 | Archiv

14.06.1834: Isaac Fischer erhält Patent für Schleifpapier

14 Juni

Montag, 14. Juni 2021

Autor(in): Yvonne Maier

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Jeder Werkzeugmacher kann sich sicher noch an eine Übung aus seiner Ausbildung erinnern, die er ziemlich sicher gehasst hat. Man nehme einen Metallblock und feile ihn um einen Millimeter ab. Auf einer Seite. Waagerecht. Und für den Feinschliff braucht man: Schleifpapier. Würde man eine Liste machen mit den Objekten, die sich durch fast die gesamte Menschheitsgeschichte ziehen - Sandpapier müsste mit drauf stehen. Oder besser gesagt: Schmirgel- oder Schleifpapier. Denn aus Sand und Papier war es nur selten.

Glatt - dank Haihaut

Die antiken Ägypter schmirgelten ihre Pyramiden immerhin mit Sandstein glatt. Die Chinesen dagegen schliffen schon im 13. Jahrhundert Holzkanten mit der Haut von Haifischen rund. Die ist nämlich nicht weich und glitschig, sondern rau - ideal für den Feinschliff. Auf die Idee sind aber nicht nur die Chinesen gekommen. Forscher vermuten, dass Haihaut schon in der Bronzezeit ein wichtiges Handelsgut im Indischen Ozean gewesen ist. Klar - in Zeiten, in denen Holz mit der wichtigste Baustoff ist, für Haus, Inneneinrichtungen und Fahrzeuge, da lernen die Schreiner schnell, wie man Splitter aus dem Holz feilt. Ach ja, auch Wikinger kannten wohl die Vorteile von Haihaut für das Holz ihrer Boote. Überhaupt - das Meer ist eine wahre Fundgrube für Schmirgelfans. Beispiel: Muscheln. Man zerstoße sie und verteile sie auf einer Art Papier aus natürlichem Gummi - voilà: Sandpapier ganz ohne Fisch. Wer keine Muschel zur Hand hat, der nimmt dafür Glaspulver. Ist zwar mühsamer und sicher teurer als einfach einen Fisch zu häuten, aber genauso effektiv. 

Ab dem 18. Jahrhundert gibt es dann Sandpapier erstmals dokumentiert auch in englischen Spezialläden zu kaufen und es wird zu dieser Zeit wohl auch von vielen verwendet: Im Jahr 1754 erscheint auf der Insel ein Buch, das haarklein beschreibt, wie man Bilderrahmen bearbeiten kann - und ein Arbeitsschritt verlangt ausdrücklich nach Sandpapier. 

Die Evolution der Haihaut

Seinen Siegeszug tritt das Schmirgelpapier erst ab dem 14.06.1834 an - denn da erhält Isaac Fischer Junior ein US-Patent auf den maschinellen Herstellungsprozess von Schleifpapier. In der Patentschrift wird festgelegt, wie das Papier bearbeitet werden soll, bevor das Glaspulver darauf geklebt wird, wie das fertige Glas- oder Sandpapier dann zwischen schweren Rollen weich gewalkt werden muss, und dass Quarz-Stein effektiver als normales Glas ist. Im aufkommenden Industriezeitalter sollte sich die Weiterentwicklung dessen, was einmal Hai-Haut gewesen ist, als sehr nützlich erweisen. Henry Ford, der Autohersteller, zum Beispiel, erkennt bald, dass jedes bisschen unnötiges Gewicht die Fahrtüchtigkeit eines Autos beeinträchtigen kann. Und nur wer Metall in großen Stücken maschinell schneiden und dann exakt in Form schleifen kann, baut erfolgreich Autos. Und mit Haihaut geht das nun wirklich nicht. Das weiß jeder, der einmal als Azubi einen Millimeter von einem Metallklotz weg geschliffen hat.


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