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2009 Glocken läuten die Weihnacht ein

Das Wunder der Geschichte, das vor 20 Jahren die Teilung Deutschlands ohne einen einzigen Schuss beendete, war eine Revolution, die aus den Kirchen kam: aus dem Magdeburger oder Erfurter Dom, aus den Gotteshäusern in Leipzig, Halle, Dresden, Schwerin und vielen anderen Städten.

Stand: 24.12.2009 | Archiv |Bildnachweis

Zwölfuhrläuten: Weihnachten 2009

Es begann mit montäglichen Friedensgebeten weniger, mutiger Bürger und endete mit Demonstrationszügen Hunderttausender am 6. November und dem Mauerfall in der Nacht vom 9. auf Freitag, den 10. November 1989.

Vielleicht wurde der Mut der DDR- Bürger damals auch beflügelt vom Genius loci dieser uralten, mächtigen, himmelwärts ragenden Kathedralen. Manche von ihnen haben Könige und Kaiser als Stifter, andere künden vom Bürger- und Kaufmannsstolz der Hanse. In jedem Falle sind sie beredte Zeugnisse der Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands in den vergangenen tausend Jahren.

20 Jahre Mauerfall, 60 Jahre Zwölfuhrläuten

Die großen Dome Ostdeutschlands, 1

Dresden

Kaum ein Bauwerk spiegelt die deutsche Geschichte so wie die Dresdner Frauenkirche. Die erste, gotische Basilika aus dem 12. Jahrhundert wurde wiederholt umgebaut und im Zuge der Reformation lange nur als Begräbniskirche genutzt. 1722 wird George Bähr mit einem Neubau beauftragt. Er entwarf eine Kirche, die dem protestantischen Verständnis von Gottesdienst gerecht werden sollte. Ihr Sinnbild ist der seinerzeit stark umstrittene Kuppelbau, die "steinerne Glocke". Am 15.2.1945, zwei Tage nach dem von alliierten Luftangriffen verursachten Feuersturm von Dresden, brach die 12.000 Tonnen schwere Kuppel ein. Mit großer internationaler Unterstützung wurde die Frauenkirche, Symbol auch der ostdeutschen Friedensbewegung, wieder aufgebaut.

Ihre Glocken - drei der Geläute gehören zu den großartigsten der Welt - werden heuer - im zwanzigsten Jahr des Mauerfalls - am Heiligen Abend die Weihnacht 2009 einläuten. Damit begeht diese Sendung des Bayerischen Rundfunks zugleich ein eigenes, kleines Jubiläum. Denn schon vor 60 Jahren - für ein Hörfunkformat eine unfasslich lange Zeit - läuteten zum Heiligen Abend schon die Glocken.

Damals, im Gründungsjahr des BR, unter anderem aus Paris, London, Assisi, Bethlehem, Breslau, Marburg, Zürich, Scheidegg, Kronach oder Waldsassen. Auch dauerte die Sendung schon seinerzeit 15 Minuten, wurde von 20.00 Uhr bis 20.15 Uhr ausgestrahlt und endete mit einem Gruß an die Kriegsgefangenen.

Die großen Dome Ostdeutschlands, 2

Merseburg

Jacob Grimm war begeistert. Einen ganz besonderen Schatz hatte der Mittelalterforscher Georg Waitz in einem Zusatz einer mittelalterlichen Handschrift in der Bibliothek des Domkapitels Merseburg entdeckt und dem und berühmten Germanisten und Sagensammler zur Begutachtung vorgelegt: Die "Merseburger Zaubersprüche" sind die einzig erhaltenen Zeugnisse der germanisch-heidnischen Religion. Einzigartig ist aber auch die Grabplatte von Rudolf von Rheinfelden. Das älteste mittelalterliche Bildnisgrabmal in Deutschland zeigt den schwäbischen Gegenkönig gegen Heinrich den IV. dessen Tod nach einer Schlacht im Jahr 1080 im Zuge des Investiturstreits als Gottesurteil angesehen wurde. Der Dom beherbergt außerdem eine größten und wohlklingendsten romanischen Orgeln in Deutschland.

Weihnachtsbotschaft

Inzwischen sind die Weihnachtsglocken in zwei Programmen zu hören, auf Bayern 1 von 19.00 Uhr bis 19.15 Uhr und in Bayern 2 von 17.05 Uhr bis 17.20 Uhr. Geblieben sind die Sendungsdauer und ihre Intention. Ob majestätische Geläute großer europäischer Dome, ob bescheidene Dorf- oder Klosterglocken, ihre erzenen Stimmen wollten und wollen stets an die Botschaft dieser Nacht gemahnen:

Friede den Menschen auf Erden.

Quelle: Georg Impler







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