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Gemeinsam klug entscheiden, was überflüssig ist

Von: Uli Hesse

Stand: 25.02.2020

Eine Hausärztin untersucht in ihrer Praxis einen Patienten. | Bild: dpa-Bildfunk/Benjamin Ulmer

"Choosing Wisely" bedeutet etwa "Klug entscheiden". Es ist eine internationale Initiative, von den USA und Kanada ausgehend, die sich gegen "zu viel Medizin" einsetzt, also gegen medizinische Leistungen, die fragwürdig oder unnütz sind. Die Sicht der Patienten steht dabei natürlich im Vordergrund.

Experte:

Prof. Dr. med. David Klemperer, Professor für Sozialmedizin und Public Health an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg sowie Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen - Umweltmedizin, Sozialmedizin. Einer der Initiatoren der Einführung und Umsetzung von "Choosing Wisely" in Deutschland.

Deutschland gibt mehr als alle anderen EU-Länder für Gesundheit aus und hat die höchste Dichte an Krankenhausbetten. Doch die Deutschen sind deshalb nicht gesünder: Mit einer durchschnittliche Lebenserwartung von 80,7 Jahren liegen sie auf Platz 18 in der EU.

Die weltweit höchsten Ausgaben für Gesundheit sind in den USA zu verzeichnen. Die nordamerikanische Initiative "Choosing Wisely" setzt sich daher unter dem Motto "Klug entscheiden" gegen überflüssige Untersuchungen und Behandlungen ein, wie beispielsweise Antibiotika bei Viren-Erkrankungen und Röntgenaufnahmen bei akutem Kreuzschmerz. Ganz wichtig: Das Wohl des Patienten steht im Mittelpunkt.

In einem gemeinsamen Gespräch zwischen Patient und Arzt sollte dazu eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung vor jeder Behandlung stattfinden.

Dem Text liegt ein Interview mit Prof. Dr. med. David Klemperer, Professor für Sozialmedizin und Public Health an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg sowie Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen - Umweltmedizin, Sozialmedizin, zugrunde.

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