HNO-Medizin Nase voll von der Pollenallergie? Das hilft!
Hasel, Erle, Birke – die Frühblüher schicken immer zeitiger im Jahr ihre Pollen durch die Lüfte. Für viele Menschen eine schlimme Zeit mit juckenden Augen, Niesanfällen und dauerverstopfter Nase. Auslöser für die Beschwerden sind bestimmte Eiweißstoffe in den Pollen, die das Immunsystem überreagieren lassen. Doch es gibt Abhilfe! Moderne Medikamente können Allergikern das Leben deutlich erleichtern. HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow erklärt, worauf Sie achten müssen.

Die früh im Jahr einsetzende Allergie auf Baumpollen ("Frühblüherallergie"), verschiebt sich aufgrund der wärmeren Winter im Kalender immer weiter nach vorne. Die Hasel blüht in Bayern als Erstes, im Jahr 2025 startete sie ihren Pollenflug schon in den ersten Januartagen. Je nach Witterung folgen Erle, Weide, Esche und Birke, letztere hat das stärkste Allergen.
Etwa 20 Prozent der Deutschen haben allergischen Schnupfen, volkstümlich Heuschnupfen und medizinisch "allergische Rhinitis" genannt. Oft ist er verbunden mit einer Bindehautentzündung der Augen (allergische Konjunktivitis) und pollenassoziierten allergischen Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel (Nahrungsmittelallergie).
Die typischen Symptome des allergischen Schnupfens sind Niesen, verstopfte Nase und Jucken in der Nase.
Die anfangs eher lästigen als schlimmen Beschwerden haben leider die Tendenz, sich im Laufe des Lebens zu verschlechtern und beeinträchtigen die Lebensqualität dann deutlich.
Bei etwa 40 Prozent der Heuschnupfenpatienten findet der sogenannte "Etagenwechsel" statt, das heißt, die Allergie erfasst neben Nasenschleimhaut und Bindehaut der Augen auch die Rachenschleimhaut und die Bronchien der Lunge. Schwerster Ausprägungsgrad ist dann das allergische Asthma.
Pollenallergie: Das können Sie tun
Bei den Zeichen einer Pollenallergie sollte zunächst einmal die ärztliche Diagnose gestellt werden. Neben der Beschwerdeschilderung folgen Allergietests auf der Haut (Pricktest) und Labor-Tests, für die eine geringe Menge an Blut benötigt wird. Seltener ist zur eindeutigen Diagnosestellung auch ein Provokationstest von Nase oder Lunge notwendig. Die Testverfahren haben sich in den letzten Jahren immer weiter verfeinert.
Die Behandlung der Baumpollenallergie
Passiv: Vermeiden Sie das Allergen. Maßnahmen können zum Beispiel sein:
- in der Pollenzeit verreisen
- Pollenschutzgitter vor den Fenstern anbringen
- vor dem Zubettgehen duschen und Haarewaschen
- im Schlafzimmer nur kurz lüften
Aktiv: Antiallergische Medikamente. Die meisten sind erfolgreich in der Wirkung und so gut wie nebenwirkungsfrei.
Medikamente für die Augen
Für die allergische Konjunktivitis gibt es verschiedene, gut wirksame Augentropfen. Wirkstoffe sind Cromoglycinsäure und lokal wirksame Antihistaminika wie Azelastin, Ketotifen oder Levocabastin.
Medikamente für die Nase
Die Wirkstoffe sind ähnlich wie bei den Augentropfen, wobei die Wirksamkeit mehr auf das Niesen und den wässrigen Schleimfluss, weniger auf die Schwellung der Nasenschleimhaut zielt. Die effektivsten Sprays bei Heuschnupfen sind die modernen Kortison-Abkömmlinge. Substanzen wie Mometason, Fluticason oder Triamcinolon werden in der Leber rasch abgebaut, so dass Nebenwirkungen im Körper – wie bei Kortison befürchtet – eher selten sind. Es gibt auch zwei Sprays, die ein Antihistaminikum mit einem lokal wirkenden Kortison kombinieren, sie sind eine rasch helfende und wirksame Therapie.
Medikamente für die Lunge (allergisches Asthma)
Auch hier wirken Kortisonabkömmlinge, die inhalativ eingenommen werden, also über die Atemwege, außerdem bronchienerweiternde Substanzen wie Salbutamol und seine Artverwandten, zum Teil in Kombination.
Allergie-Tabletten
Allergie-Tabletten stammen aus der Gruppe der Antihistaminika, also einer Substanzgruppe, die den Histamin1-Rezeptor blockieren. Denn das körpereigene Histamin ist ein wichtiger Baustein im Rahmen der allergischen Überreaktion.
Ein Teil davon ist seit gut 50 Jahren auf dem Markt, wobei Müdigkeit eine Nebenwirkung war und ist. Neuere Fortentwicklungen haben diesen unerwünschten Nebeneffekt nicht mehr.
Die sogenannte Kuhstall-Tablette
Eine Mischung aus Prophylaxe und Therapie ist die Tablette mit Beta-Lactoglobulin, Zink, Eisen und Vitamin A. Die vorliegenden Studien zeigen einen guten Effekt bei quasi nicht vorhandenen Nebenwirkungen. (Derzeit nur in Österreich erhältlich, Stand: 26.02.2025)
Woher die "Kuhstall-Tablette" ihren Namen hat
Studien zeigen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen groß werden und früh mit Stallstaub und bestimmten Milchproteinen in Kontakt kommen, seltener an Allergien leiden. Der Name ist eine Anspielung auf den schützenden Effekt durch das Aufwachsen auf dem Bauernhof mit Milchkühen.
Hyposensibilisierung
Die einzig ursächliche Therapie ist die Hyposensibilisierung (auch Desensibilisierung genannt). Bei dieser Behandlung werden über einen längeren Zeitraum die betreffenden Allergene in gereinigter und standardisierter Menge verabreicht, bis sich das Immunsystem an die Pollen gewöhnt und die überschießende Reaktion des Immunsystems ("Allergie") heruntergefahren wird.
Voraussetzung für die Sicherheit und den Nutzen der Behandlung sind die Erfahrung des allergologisch tätigen Arztes und die konsequente Kooperation des Patienten.
Akupunktur
Bei Allergien gibt es verschiedene Ansätze der Akupunktur, die Studienlage dazu ist aber eher dürftig.
Was bei der Behandlung wichtig ist
Entscheidend ist, die Allergie möglichst wirksam zu behandeln, um eine Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern und den Etagenwechsel zu vermeiden.
Kommen Sie gut durch die Pollensaison! Das wünschen Ihnen Dr. Thomas Meier-Lenschow und "Wir in Bayern"!