Ein medizinischer Notfall oder ein Unfall? Dafür gibt es die einheitliche Notfallnummer 112. In eher abgelegenen Gebieten Bayerns kann es allerdings vorkommen, dass die Rettungsdienste für ihre Anfahrt zu lange brauchen. Zum Beispiel wegen schlechtem Wetter oder starkem Verkehr.
Deshalb hat die Ortsgruppe des Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Rottendorf im Oktober 1997 die erste ehrenamtliche Ersthelfer-Gruppe in Unterfranken gegründet. Der Notdienst war gleichzeitig einer der ersten seiner Art in Bayern. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Rottendorfer „Helfer vor Ort“, englisch auch "First Responder", enorm weiterentwickelt.
Ausschließlich durch Spenden finanziert
Manfred Neuhöfer kann sich noch gut an die bescheidenen Anfänge vor zwei Jahrzehnten erinnern. Er ist eines der Gründungsmitglieder. Damals war Kreativität gefragt – zum Beispiel als die Rettungskräfte ein geeignetes Einsatzfahrzeug suchten:
"Wir hatten damals einen gebrauchten Krankenwagen, der in der Garage bei der Feuerwehr gestanden ist; und das erste Fahrzeug, ein Pkw, war ein gebrauchtes Polizeifahrzeug." Manfred Neuhöfer
Den Wagen haben die Ehrenamtlichen einst selbst umgebaut und für ihre Zwecke ausgerüstet. Vor zwei Jahren haben sie ein neues Fahrzeug angeschafft, das auf dem neusten Stand der Technik ist. Finanziert wurde das immerhin 30.000 Euro teure Einsatzfahrzeug ausschließlich durch Spenden. Die seien vor allem von den Rottendorfern selbst und den ortsansässigen Firmen gekommen, erzählt Neuhöfer.
Kostspieliger und zeitintensiver Einsatz
Auf Zuwendungen aus Wirtschaft und Bevölkerung ist die Rettungsgruppe dringend angewiesen. Jeder Einsatz ist mit Kosten verbunden. Martin Falger, Bereitschaftsleiter des BRK in Rottendorf berichtet:
"Einen Helfer auszustatten, damit er mit der entsprechenden Sicherheitskleidung in den Dienst gehen kann, kostet uns mittlerweile fast 500 Euro. Um den Helfer auszubilden, bin ich auch noch einmal mit rund 1.000 Euro dabei. Also nur damit der Helfer zum Einsatz kommt." Martin Falger
Solche Einsätze sind über die Jahre häufiger geworden. Waren es vor 20 Jahren gerade mal etwa 50 Notfälle pro Jahr, hat sich die Zahl mittlerweile verdreifacht. Manche der Ersthelfer fahren mittlerweile durchaus fünf Einsätze pro Woche. Das ist mit privaten Entbehrungen verbunden, berichtet Ersthelfer Stefan Krüger.
"Es war vor allem als die Kinder klein waren manchmal traurig; wenn ich dann bei meiner Tochter am Bett saß und die Gutenachtgeschichte erzählt habe und dann ging der Melder und ich musste raus." Stefan Krüger
Ganz so schlimm kann es für Krügers mittlerweile 18 Jahre alte Tochter Alina tatsächlich aber nicht gewesen sein. Mittlerweile gehört auch sie zum Rottendorfer Rettungsdienst.