Denkmal für die Geschwister Scholl und die Widerstandsgruppe "Weiße Rose"
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Forscher rekonstruieren: Hier warf die Weiße Rose Flugblätter ab

Forscher rekonstruieren: Hier warf die Weiße Rose Flugblätter ab

Neue Rekonstruktionen enthüllen den präzisen Abwurfort der Weißen-Rose-Flugblätter: ein ikonischer Moment, der den Widerstand der Scholl-Geschwister gegen das NS-Regime symbolisierte. Und es gibt noch weitere Erkenntnisse.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 1 am Vormittag am .

Es war wohl eine einzige Minute, die das Schicksal der Geschwister Scholl und in der Folge der Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose besiegelte. Der Historiker Professor Hans Günter Hockerts hat sich durch Unmengen an Dokumenten gearbeitet – darunter Gestapo-Protokolle, Entnazifizierungsakten und alte Lagepläne der Universität. Auf dieser Grundlage konnte er den Tag des folgenschweren Abwurfs der Flugblätter durch Sophie und Hans Scholl rekonstruieren.

Gedenktafel markiert exakte Abwurfstelle

Ein Hörsaaldiener beobachtete die Aktion, konnte jedoch keine Gesichter erkennen. Wären die Geschwister nur eine Minute schneller gewesen, hätten sie sich unter die Studierenden mischen können – und wären wohl nie von eben jenem Hörsaaldiener, Jakob Schmid, festgesetzt worden.

Eine weitere Erkenntnis: Sophie Scholl warf die rund hundert Flugblätter nicht von der rechten, sondern von der linken Seite des Lichthofs. Heute markiert eine kleine, unscheinbare Gedenktafel die exakte Stelle, die durch die Forschungen rekonstruiert werden konnte.

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Neue Gedenktafel am Ort des Abwurfs der Flugblätter

Flugblatt-Aktion: Zwischen Freiheitsfanal und dem eigenen Ende

Für Hildegard Kronawitter, die Vorsitzende der Stiftung Weiße Rose, ist der genaue Abwurfort der Flugblätter von großer Bedeutung. Sie betont, dass Touristen und Interessierte regelmäßig nachfragen, wo genau das Geschwisterpaar die Flugblätter abgeworfen habe – und nun gebe es endlich eine klare Antwort. Für Kronawitter ist das Bild der herabfallenden Flugblätter, die die Studierenden zum Widerstand gegen das NS-Regime aufriefen, ikonisch.

Und noch eine Erkenntnis hat Historiker Hans Günter Hockerts durch seine Nachforschungen gesichert: Der Wurf der Flugblätter durch Sophie Scholl war wohl keine spontane Handlung. Die Geschwister Scholl hatten sich bereits im Vorfeld überlegt, welche Geschichte sie im Falle einer Festnahme erzählen würden.

Entgegen früheren Annahmen hatten sie nach ihrer Verhaftung keine Möglichkeit, sich abzusprechen – denn sie wurden unabhängig voneinander in verschiedenen Räumen verhört. Damit widerlegt Hockerts die Theorie, dass sie erst nach ihrer Festnahme eine gemeinsame Entlassungsgeschichte erfinden wollten. Vielmehr hatten sie bereits zuvor eine Strategie vorbereitet – doch diese ging nicht auf.

Zeitloses Symbol des Widerstands gegen das NS-Regime

Nach der Flugblatt-Aktion am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl vom Hausmeister entdeckt und an die Gestapo verraten. Nur wenige Stunden später folgte ihre Verhaftung – gemeinsam mit Christoph Probst. In einem Schauprozess unter dem berüchtigten Richter Roland Freisler wurden sie bereits am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.

Kurz darauf nahm die Gestapo weitere Mitglieder der Weißen Rose fest, darunter Alexander Schmorell, Willi Graf und Professor Kurt Huber. Auch sie wurden in den folgenden Monaten verurteilt und hingerichtet. Zahlreiche Unterstützer der Gruppe wurden verhaftet und zu teils langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Doch obwohl die Weiße Rose brutal zerschlagen wurde, lebte ihre Botschaft weiter: Die Alliierten verbreiteten ihr letztes Flugblatt über Deutschland – und bis heute gilt die Gruppe als ein eindrucksvolles Symbol für Zivilcourage und den Widerstand gegen Diktatur und Unrecht.

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Gedenken an Sophie Scholl an der LMU München

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