Bayern ist nicht mehr die Konjunkturlokomotive, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass auch Deutschland im europäischen Vergleich geglänzt hat. 2024 ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Freistaat um ein Prozent zurück. Ein Grund, warum Deutschland in die Rezession gerutscht ist. Auch bei der Inflationsrate schneiden andere Bundesländer besser ab als der Freistaat.
Im März sind die Lebenshaltungskosten in Bayern gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,3 Prozentpunkte gestiegen. Die vorläufige bundesweite Rate liegt bei 2,2 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer liegen Hessen und Niedersachsen leicht über dem bayerischen Wert, während Nordrhein-Westfalen mit nur 1,9 Prozent Inflationsrate am besten abschneidet. Tendenziell fällt die bayerische Inflationsrate seit Jahren etwas höher aus als im Bund.
Lebensmittelpreise toppen Mieten
Einen großen Teil der Lebenshaltungskosten machen für viele Menschen in Bayern die Mieten aus. Bayern hat seit Jahrzehnten den Ruf, bei den Mieten besonders teuer zu sein. Das stimmt vor allem im Großraum München. Auch im März sind die Mieten wieder gestiegen, mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent aber deutlich weniger heftig als zum Beispiel die Lebensmittelpreise. Die kletterten nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Fürth gegenüber dem März des Vorjahres um 4,1 Prozent.
Butter wird zum Luxusartikel
Die Butter – eigentlich ein Alltagsprodukt – wird immer mehr zur Luxusware. Sie hat sich im Vergleich zum Vorjahr um stolze 21,1 Prozent verteuert. Dass ein halbes Pfund 3,50 Euro und mehr kostet, ist in Supermarktregalen keine Seltenheit mehr. Diesen Trend begründen Landwirtschafts- und Lebensmittelverbände damit, dass es weniger Milchkühe gibt, weshalb der Fettanteil in der Milch sinkt, gleichzeitig essen die Verbraucher aber auch mehr Käse.
Entspannung bei den Energiepreisen
Die Energiekosten haben den Schrecken der vergangenen Jahre offenbar etwas verloren. Heizöl verbilligte sich im März um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, Strom kostet unverändert viel, während Erdgas nur ein bisschen teurer geworden ist. Bei den Heizkosten macht sich wie jedes Jahr das nahende Ende der Heizperiode positiv bemerkbar.
Bayerns Wirtschaft schlittert in Rezession
Während die Inflationsrate in Bayern höher ist als im Bund, liegt das bayerische BIP im bundesweiten Vergleich mit minus einem Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Diesen steilen Absturz begründet die arbeitgebernahe Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., vbw, mit der Politik der Bundesregierung. "Wir können uns ein 'weiter so' nicht mehr leisten", findet Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der vbw. Von der neuen Bundesregierung erwartet er für die heiße Phase der Koalitionsverhandlungen einen "Befreiungsschlag".
Aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium heißt es dazu: "Im Jahr 2024 ist das Schwimmen gegen den Strom nicht mehr gelungen". Das meint vor allem die Sorgen in der Industrie, die erheblich gelitten hätten. Für die Zukunft gibt Bayerns Wirtschaftsminister aus, man brauche einen Neustart bei sicherer, bezahlbarer Energie und überzogenem Klimaschutz. Außerdem "einen überzeugenden Bürokratieabbau, weniger Regulierung, niedrigere Steuern und Abgaben, eine gute Fachkräftestrategie und mehr Flexibilität!"
Automobilindustrie bereitet Sorgen
Diese Abwärtsbewegung dürfte aber so schnell nicht aufzuhalten sein: Denn Bayerns Prunkstück, die Automobilindustrie, steckt mitten im Umbruch. Das betrifft vor allem die Zuliefererbranche. In Schweinfurt baut der Zulieferer ZF Friedrichshafen Stellen ab. In Würzburg will der Coburger Zulieferer Brose ein ganzes Werk mit 1.200 Beschäftigten schließen. Auch die Herzogenauracher Schaeffler AG hat einen Stellenabbau angekündigt. Der Vergleich auf Bundesebene macht deutlich, wie scharf der Abschwung der Industrie ist: Deutschlandweit schrumpft das verarbeitende Gewerbe um 2,9 Prozent, in Bayern bricht es um massive 5,5 Prozent ein.
Krise darf sich nicht ausweiten
Wenn Menschen ihren Job verlieren oder in Kurzarbeit gehen, sparen sie im privaten Bereich. Sie kaufen weniger ein, nehmen weniger Dienstleistungen in Anspruch. Auch kriselnde Unternehmer beschäftigen weniger Handwerker oder andere Dienstleister, von Beratern, Architekten bis hin zu Taxifahrern. Die Krise in einer der wichtigsten Branchen kann sich also auch auf andere Bereiche ausweiten.
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