Schülerinnen einer sechsten Klasse melden sich in einem Klassenraum an der Maria-Ward-Realschule in Schrobenhausen (Bayern) während einer Unterrichtsstunde.
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Schülerinnen einer sechsten Klasse melden sich in einem Klassenraum an der Maria-Ward-Realschule in Schrobenhausen.

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Trotz Lehrermangels in Bayern: Mehrarbeit bleibt freiwillig

Trotz Lehrermangels in Bayern: Mehrarbeit bleibt freiwillig

An Bayerns Schulen fehlen schon jetzt fast überall Lehrerinnen und Lehrer – Tendenz steigend. Das Kultusministerium will künftig ganz transparent zeigen, was es dagegen tut. Das neue Konzept zwingt allerdings vorerst niemanden, mehr zu unterrichten.

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Den Begriff "Lehrermangel" gibt es offiziell erst, seit Anna Stolz (Freie Wähler) im Herbst 2023 das bayerische Kultusministerium von Michael Piazolo übernommen hat. Auch zuvor fehlten an den bayerischen Schulen Lehrerinnen und Lehrer – der Minister sprach darüber aber nicht offen. Jetzt hat Stolz ein neues Gesamtkonzept vorgelegt, mit dem sie zeigen will, wie ihr Haus dem Lehrermangel begegnet. 54 Seiten dick ist das "Gesamtkonzept Unterrichts- und Personalversorgung", das das Ministerium verschickt hat.

Hunderte Lehrkräfte fehlen fast überall

Noch steht nicht genau fest, wie viele Pädagogen im kommenden Schuljahr wirklich fehlen werden. Laut Prognose sind es an den Grundschulen etwa 400 zu wenig, an den Mittelschulen sogar 1.370. Da es im Schuljahr 2025/26 erstmals wieder eine 13. Jahrgangsstufe an den Gymnasien geben wird, wird es auch dort zu wenig Lehrkräfte geben.

Ministerium: Niemand muss Teilzeit aufstocken

Das Konzept des Kultusministeriums besteht aus drei Säulen. In der ersten geht es darum, zusätzliches Personal zu gewinnen. Beispielsweise, indem weitere Quereinsteiger gewonnen werden oder Aushilfslehrkräfte die Lücken schließen. Die zweite Säule ist überschrieben mit "Nutzung des Potentials des Bestandspersonals". Ein hoher Prozentsatz der bayerischen Lehrer arbeitet in Teilzeit. Hier will die Kultusministerin ansetzen: Sie hofft, dass besonders die Schulleiter Lehrkräfte dazu bewegen können, ihre Stunden zu erhöhen. Freiwillig, ohne Zwang, so steht es im Konzept.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vergangenes Jahr die Lehrerschaft aufgeschreckt mit seiner Forderung nach mehr Vollzeit. Dem widersetzt sich Stolz noch – allerdings ist im Konzept auch die Rede von "dienstrechtlichen Maßnahmen". Gerade beim Thema Teilzeit ließe sich laut Kultusministerium viel holen: Wenn allein an den Gymnasien jede Lehrkraft durchschnittlich eine Wochenstunde aufstocken würde, würde das etwa 300 zusätzlichen Vollzeitstellen entsprechen.

Piazolo-Maßnahmen gelten schon jetzt

Schon jetzt gelten für die Grund-, Mittel- und Förderschullehrer Maßnahmen, die der damalige Kultusminister Piazolo 2020 verhängt hatte: eine Stunde Mehrarbeit, kein Sabbatjahr mehr, ein höheres Mindestalter für den vorzeitigen Ruhestand. In der Folge stieg allerdings die Zahl dienstunfähiger Lehrer stark. Zudem fürchtet man im Ministerium, dem Ansehen des Lehrberufs zusätzlich zu schaden.

Weniger Wahlunterricht – größere Klassen

In der dritten Säule soll eine "Absenkung von Personalbedarfen" erfolgen. Das heißt, notfalls soll der Wahlpflicht- und Wahlunterricht reduziert werden. Zudem könnten größere Klassen gebildet werden.

Stolz betont, es gebe nicht nur die eine Maßnahme zur Sicherung der Unterrichtsversorgung. Jede Schulart, jede Schule sei anders, deshalb "ist es mir besonders wichtig, neben zentralen auch verstärkt auf lokale Maßnahmen zu setzen und den Schulen mehr Freiräume zu überlassen", so die Ministerin. Begleitend zu ihrem Konzept gibt die Ministerin ein Versprechen ab: Wie wirksam die Maßnahmen wirklich sind, will sie jedes Schuljahr vollständig überprüfen.

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