Anti-Israel-Schmierereien an der Fassade der Technischen Universität München (TUM), unter anderem Parolen gegen das Existenzrecht Israels (From the river to the sea, End Israel, one solution=one state), Rote Dreiecke, Free Palastine Symbole und Intifada.... , 22. Januar 2025
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Im Januar 2025 wurden Gebäude der Technischen Universität München (TUM) mit israelfeindlichen Parolen und Hamas-Symbolen besprüht.

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Neuer Bericht: Viel mehr antisemitische Vorfälle an Hochschulen

Neuer Bericht: Viel mehr antisemitische Vorfälle an Hochschulen

Schmierereien, Beleidigungen und Bedrohungen: An deutschen Hochschulen häufen sich Vorfälle, die gegen Jüdinnen und Juden gerichtet sind. Das zeigt der "Lagebericht Antisemitismus an deutschen Hochschulen".

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der bundesweit gemeldeten antisemitischen Vorfälle mit Tatort "Hochschule" 2023 fast versiebenfacht. Das zeigt der Lagebericht des American Jewish Committee (AJC) Berlin (externer Link) und der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) (externer Link). Er dokumentiert unter anderem antisemitische Schmierereien oder Fälle, in denen jüdische Studierende beschimpft, beleidigt oder bedroht wurden.

Laut Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) wurden 2023 insgesamt 151 antisemitische Vorfälle und 38 davon betroffene Juden oder Israelis an Hochschulen gezählt. 2022 waren es 23 Vorfälle sowie zwei Betroffene. Ein starker Anstieg war demnach nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 zu verzeichnen.

Jüdische Studierende ziehen sich aus Angst vor antisemitischen Anfeindungen zurück

Studierende besuchen während ihres Studiums Vorlesungen und andere Veranstaltungen. Sie müssen also an ihrer Hochschule vor Ort sein. Viele jüdische Studentinnen und Studenten empfinden die Situation dort allerdings inzwischen als bedrohlich, sagt der Direktor des AJC Berlin, Remko Leemhuis. Sie gingen aus Angst vor Anfeindungen nicht mehr auf den Campus der Hochschule – oder nur, wenn es unbedingt sein muss.

Laut Leemhuis vermeiden jüdische Studentinnen und Studenten zu sagen, welche Verbindungen sie nach Israel haben oder ob sie selbst persönlich vom Überfall der Hamas betroffen sind. Letztlich würden sie so aus deutschen Hochschulen herausgedrängt, sagt Leemhuis. Das gelte auch für Studierende, die nicht jüdisch seien, sich aber trotzdem Israel verbunden fühlten und den Campus nicht dem "antisemitischen Mob, so muss man es sagen, überlassen wollen".

Fehlendes Verständnis der Codes des modernen Antisemitismus

"Universitäten müssen sichere Orte für alle sein", lautet eine Forderung im Lagebericht Antisemitismus. Das Allerwichtigste sei deshalb, dass Hochschulen die Sicherheit ihrer jüdischen Studierenden und Mitarbeitenden gewährleisten. Deshalb müssten sich die Hochschulen klar gegen Antisemitismus stellen.

Die Hochschulen müssten aber auch klarmachen, was Antisemitismus sei, betont JSUD-Präsidentin Hanna Veiler. An allererster Stelle stehe, dass die Hochschulen klar Haltung gegen Antisemitismus zeigen – aber auch, dass Antisemitismus verstanden wird: "Man erkennt Antisemitismus häufig nicht, weil Antisemitismus gerade in seiner modernen Form meistens in Codes artikuliert wird." Um diese Codes verstehen und lesen zu können, müsse man sich mit diesen beschäftigt haben. Bei vielen Menschen in verantwortungsvollen Positionen sei dieses Grundwissen aber nicht vorhanden.

Mehr Solidarität mit den jüdischen Studierenden

Im Vergleich zur Gesamtzahl der Studierenden verhält sich den Angaben zufolge nur eine kleine Minderheit an den Hochschulen feindlich gegenüber Jüdinnen und Juden. Aber diese Minderheit ist laut, gut organisiert und zum Teil gewaltbereit. Die Mehrheit der Studierenden verhält sich hingegen passiv. Die Herausgeber des Lageberichts Antisemitismus fordern daher, dass sich mehr Menschen aktiv dafür engagieren, dass sich alle Studierende am Campus wohl fühlen können, und dass sich mehr Menschen an die Seite derer stellen, die von Antisemitismus betroffen sind.

Ab Mai 2024 gab es an Hochschulen oder in deren Umfeld sogenannte propalästinensische Protestcamps. In diesen traten häufig Hamas-nahe Referenten auf und es wurde das Existenzrecht Israels geleugnet, sagt Veiler. Auch wurde dort offen zur Intifada aufgerufen und es wurden verbotene Parolen gerufen.

Mit Informationen von epd

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