"So eine Euphorie und so einen Jubel habe ich in den letzten 40 Jahren nicht erlebt", sagt Wolfgang Menrath, Geschäftsführer des Viskosegarn-Herstellers ENKA mit Sitz im Industriecenter Obernburg im Landkreis Miltenberg. Gestern Nachmittag hat er den 237 Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung verkündet, dass das Werk nun doch nicht wie Anfang Januar angekündigt bis zum September schließen wird. "Die Leute sind sich in die Arme gefallen, die Stimmung war euphorisch, wir sind sehr erleichtert", so Menrath gegenüber dem BR.
Unerwarteter Großauftrag bringt Kehrtwende
Ein unerwarteter Großauftrag habe die Kehrtwende gebracht. Am Samstag hat die Geschäftsführung Menrath zufolge den Gesellschafter gebeten, die für September geplante Werksstilllegung rückgängig zu machen. Von wem der Großauftrag kommt, sagt Menrath nicht. Der Auftraggeber will namentlich nicht genannt werden. Nur so viel: Er stammt nicht aus dem europäischen Ausland und das Viskosegarn vom Bayerischen Untermain wird eine technische und keine textile Anwendung finden.
Viskosegarn-Herstellung für Mode und Medizinprodukte
Die Viskosegarn-Herstellung im Industriecenter Obernburg hat eine 100-jährige Tradition. ENKA ist eines von aktuell gut 30 Unternehmen am Standort. Das Viskosegarn, das als sogenanntes Endlos-Garn auf große Spulen gewickelt wird, kommt hauptsächlich in der Modeindustrie, in Webereien, zum Einsatz. Ein kleiner Teil auch in medizinischen Produkten. ENKA hatte das im Januar verkündete Aus mit dem Wettbewerbsdruck auf dem Weltmarkt begründet. Indien und China produzierten Viskose zu deutlich geringeren Kosten, hätten größere Fabriken, niedrigere Löhne, staatliche Subventionen und deutlich geringere Umweltauflagen, hieß es.
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