ARCHIV - 20.07.2023, Bayern, München: Sichergestellte Münzklumpen werden während einer Pressekonferenz des Bayerischen Landeskriminalamts zu den Festnahmen im Fall des Manchinger Goldschatz-Diebstahls präsentiert. (zu dpa: «Gericht beginnt mit Detailarbeit zu Diebstahl von Goldschatz») Foto: Uwe Lein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Gold aus dem gestohlenen Manchinger Keltenschatz

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Keltenschatz: Prozess läuft - doch wo ist das Gold?

Keltenschatz: Prozess läuft - doch wo ist das Gold?

Seit Mitte Januar läuft vor dem Landgericht Ingolstadt der Prozess um den gestohlenen Manchinger Goldschatz. Vier Männer werden beschuldigt, den Schatz geklaut zu haben. Nahezu alle Zeugen hat das Gericht zu dem Fall angehört. Doch: Wo ist das Gold?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Es war ein Schock im November 2022, als Unbekannte den historisch wertvollen Goldschatz aus dem Kelten Römer Museum in Manching gestohlen haben. Dann, knapp neun Monate später, der Ermittlungserfolg: Die Polizei nimmt vier Männer aus Ostdeutschland fest. Auch ein kleiner Teil des Keltenschatzes soll bei einem der Männer gefunden worden sein – aber eingeschmolzen. Der Prozess soll nun Klarheit bringen.

Vier Angeklagte, acht Verteidiger und ein Goldklumpen

Die Anklagebank im größten Saal des Ingolstädter Landgerichts ist voll besetzt: In Jeans, Sweatshirts oder auch im weißen Hemd präsentieren sich die vier angeklagten Männer im Alter zwischen 43 und 52 Jahren. Jeder hat zwei Verteidiger, weil es ein umfangreiches Verfahren ist.

Die Staatsanwaltschaft sieht in Robert K. den Kopf der Einbrecherbande, die rund 30 Einbrüche in den vergangenen 15 Jahren begangen haben soll. Die DNA von Alexander K. haben die Ermittler bei anderen Einbrüchen sichergestellt. Bei der Festnahme des Angeklagten Maximilian S. stellten die Fahnder eingeschmolzene Goldklumpen sicher – mutmaßlich Teile des keltischen Goldschatzes. Für seinen Verteidiger Thilo Bals nicht zwangsläufig ein Beweis für die Schuld seines Mandanten: "Die Goldzusammensetzung war in dieser Zeit in Kleinasien sehr gebräuchlich. Da finden sich die verschiedenen Gegenstände mit der gleichen Zusammensetzung." Bei den Goldklumpen müsse es sich deshalb nicht zwangsläufig um die Münzen des Keltenschatzes handeln, so Bals.

Zeuge: Maximilian S. soll gestanden haben

Gegen Maximilian S. hat vor Gericht ein Belastungszeuge ausgesagt, dass ihm der Angeklagte die Tat gestanden habe. Die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen zweifelt Verteidiger Bals allerdings an. Dieser Zeuge wird wohl im weiteren Verlauf nochmals vor Gericht aussagen müssen. Auch für den vierten Mann auf der Anklagebank Jörn M. positioniert sich schon sein Anwalt Ullrich Knye. Seinem Mandanten könne man keine Tatbeteiligung nachweisen, so der Jurist.

Manchings Bürgermeister hofft auf einen "Deal"

Häufig bei Gericht ist derzeit Manchings Bürgermeister Herbert Nerb. Er werde den 22. November 2022 "nie vergessen", betont der Freie Wähler. Er hat immer noch die Hoffnung, dass zumindest Teile des Keltengoldes unversehrt ins Museum zurückkehren. Als Zuschauer hat er den Prozess bislang verfolgt. "Wenn sie sagen, wo der Schatz ist und dafür ein oder zwei Jahre weniger bekommen, ist mir das lieber, als wenn wir den Schatz nicht mehr bekommen. Auch wenn es gegen meine Prinzipien geht."

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Seit ihrer Festnahme schweigen die Angeklagten. Und bislang gibt es keine Pläne, dass sich das ändert, so die Verteidiger. "Momentan gibt es für meinen Mandanten keinen Grund, sich einzulassen", so Bals. "Es ist nicht geplant, dass mein Mandant etwas sagt", so Knye. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls ist davon überzeugt, dass mindestens einer der Angeklagten "genau weiß, wo der Schatz sich befindet", so Staatsanwältin Petra Osthoff beim Prozessauftakt.

1.700 Schlüssel zum Telekom-Verteiler-Häuschen

Eine große Frage, die der Prozess aufwarf: Wie kamen die Täter in das Telekom-Verteiler-Häuschen? Dort zerstörten sie die Glasfaserkabel, sodass nicht nur Telefon und Internet in Manching ausfielen, sondern auch die Alarmanlage im Museum. Ein Sachverständiger bestätigte im Verfahren, dass es keine Spuren für ein gewaltsames Eindringen gibt. Die Haustüre des Häuschens hätten die Einbrecher mit einer Kunststoffkarte oder einer Metallnadel spurlos öffnen können.

Allerdings gelte das nicht für die Tür im Keller, wo die Glasfaserkabel angeschlossen waren. Das sei eine Feuerschutztür aus Metall. Entweder standen die Türen offen oder die Täter hatten einen Schlüssel. Rund 1.700 Schlüssel seien für das Häuschen im Umlauf, sagte ein Zeuge aus. Die Brecheisen, die die Ermittler im Weiher beim Museum gefunden haben, stimmen mit den Spuren an den Türen des Museums überein, sagte ein weiterer Gutachter aus.

Verfahren verläuft planmäßig

Der Komplex Manching ist vor Gericht nunmehr größtenteils abgearbeitet. Im weiteren Verlauf geht es um die anderen rund 30 Einbrüche, die die Staatsanwaltschaft den vier Angeklagten zur Last legt. Bisher verläuft das Verfahren ohne größere Verzögerungen. Somit ist mit einem Urteil im Sommer zu rechnen.

Im Video: Keltenschatz-Prozess läuft - doch wo ist das Gold?

November 2022: Der Goldschatz wird aus dem Kelten Römer Museum gestohlen, neun Monate später nimmt die Polizei vier Männer fest.
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November 2022: Der Goldschatz wird aus dem Kelten Römer Museum gestohlen, neun Monate später nimmt die Polizei vier Männer fest.

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