Deal nach Drohung? Trump schließt Rohstoffabkommen mit Kiew
Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Julia Demaree Nikhinson
Videobeitrag

Deal nach Drohung? Trump schließt Rohstoffabkommen mit Kiew

Videobeitrag
>

Deal nach Drohung – Plündert Trump die Ukraine?

Deal nach Drohung – Plündert Trump die Ukraine?

Am Freitag wird der ukrainische Präsident Selenskyj in Washington ein Abkommen zur Rohstoffausbeute mit den USA unterzeichnen. US-Präsident Trump hatte zuvor massiven Druck ausgeübt. Aber wo befinden sich die Bodenschätze und wie werden sie genutzt?

Über dieses Thema berichtet: BR24 im BR Fernsehen am .

Sie werden gerne als die "Grundlage der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts" bezeichnet: Die sogenannten kritischen Mineralien, die etwa für erneuerbare Energien, für Hightech-Produkte der Luft- und Raumfahrtindustrie, für die Nuklear- und Waffenindustrie unverzichtbar sind. Wer Zugang zu diesen Mineralien hat, verfügt über eine "zunehmende strategische Rolle in der Geopolitik und Weltwirtschaft", wie die BBC den kanadischen Wirtschaftswissenschaftler Robert Muggah zitiert.

Kritische Mineralien: Rund fünf Prozent in der Ukraine

Geografisch sind die begehrten Mineralien ungleich verteilt: Rund fünf Prozent der weltweiten Vorkommen lagern in der Ukraine. Das sind in Europa die größten Depots an kritischen Mineralien. Doch im Vergleich zu China sind die ukrainischen Vorkommen eher klein: Der Großteil der kritischen Mineralien lagert in der Volksrepublik China, das nach Angaben der Internationalen Energiebehörde weltweit über die Hälfte der Seltenen-Erden-Vorkommen verfügt und bei der aufwendigen Gewinnung global eine dominierende Rolle einnimmt.

Große Teile der Vorkommen in besetzten Gebieten

Ein Blick auf die Landkarte der Bodenschätze der Ukraine zeige, so sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der Nachrichtenagentur Reuters Anfang dieses Monats, dass 20 Prozent der ukrainischen Bodenschätze in den von Russland besetzten Gebiete liegen, darunter 50 Prozent der Seltenen-Erden-Lagerstätten. Der russische Angriffskrieg galt somit unter anderem der Eroberung und Ausbeutung der reichhaltigen ukrainischen Bodenschätze im Osten des Landes und damit dem Entzug wesentlicher volkswirtschaftlicher Vermögenswerte der Ukraine.

22 von 34 kritischen Mineralien in der Ukraine

Die Ukraine verfügt nach Angaben des ukrainischen Präsidenten in Europa über die größten Titan und Uranvorkommen, die überwiegend in den westlichen und südlichen Landesteilen lagern. Insgesamt lagern in der Ukraine über 22 von 34 Mineralien, die von der Europäischen Union als kritisch eingestuft würden.

Die Ukraine besitzt über ein Fünftel der weltweiten Graphit-Vorkommen, ein unverzichtbarer Bestandteil für Kernkraftindustrie. In seinem Präsidialamt hatte Selenskyj in dem Interview mit Reuters eine Karte ausgebreitet, auf der die zahlreichen Mineralienvorkommen eingezeichnet waren, darunter ein breiter Streifen im Osten, der als Vorkommen seltener Erden gekennzeichnet war. Rund die Hälfte davon, so schrieb Reuters anschließend, "schien auf der russischen Seite der aktuellen Frontlinien zu liegen."

Unter dem Begriff "Seltene-Erden-Elemente" werden 17 kritische Mineralien zusammengefasst, die unter anderem für die Herstellung von Mobiltelefonen, Elektrofahrzeuge, Raketenleitsysteme und andere Anwendungen in der Elektronik, Industrie und Energietechnik unverzichtbar sind. Darunter fallen seltene Erden wie Lanthan, Neodym, Europium und Ytterbium.

Trumps geopolitische Motive

Das Abkommen zwischen der Ukraine und den USA zur gemeinsamen Nutzung ukrainischer Rohstoffe steht inzwischen vor dem Abschluss, Selenskyj könnte es am Freitag in Washington unterschreiben. Warum ist US-Präsident Donald Trump so sehr daran interessiert? Die einsilbige Antwort dürfte lauten: China. Die USA unter Präsident Trump drohen ihren Zugang zu kritischen Mineralien aus China genau zu dem Zeitpunkt zu verlieren, an dem Trump die Einfuhrzölle auf chinesische Produkte erheblich erhöhen will. Es sind daher geopolitische Motive, bei denen es um nichts weniger geht als um die Verteilung der Rohstoffvorkommen, die für die "Wirtschaft des 21. Jahrhunderts" unverzichtbar sind.

Trump versucht mit dem Abkommen mit der Ukraine eine Art "Gegengewicht" zu Chinas immensem Reichtum an kritischen Mineralien herzustellen. Die US-Regierung verringert mit dem Rohstoffabkommen mit der Ukraine ihre Abhängigkeit von chinesischen Einfuhren kritischer Mineralien. Der Druck nahm seit der Wiederwahl Trumps zu, denn China untersagte im vergangenen Dezember den Export von bestimmten Seltenen-Erden-Mineralien in die USA.

Rohstoffabkommen: "Schutzgelderpressung?"

Um dieses Abkommen zustande zu bringen, habe sich der US-Präsident von dem vormaligen traditionellen Ansatz in der Außenpolitik abgewandt, wie die "New York Times" analysiert. Die Vereinigten Staaten hätten einst als Weltpolizist gegolten, "doch vielen Analysten erscheinen sie heute eher wie ein erpresserischer Mafiaboss". Die ausdrückliche Forderung Trumps nach den ukrainischen Bodenschätzen habe angesichts der Tatsache, dass sich das Land seit drei Jahren gegen die russischen Invasionstruppen wehrt, den "Charakter einer Schutzgelderpressung", wie die "New York Times" die US-Politikwissenschaftlerin Virginia Page Fortna zitiert.

Im Video: Rohstoffdeal zwischen USA und Ukraine

Rohstoff-Abbau in der Ukraine
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Rohstoff-Abbau in der Ukraine

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!