Im Zentralrat der Muslime ist Abdassamad El Yazidi kein Unbekannter. Er prägte seit 2016 den Verband als Generalsekretär. Seit dem Rücktritt von Aiman Mazyek war er Interims-Vorsitzender des Zentralrats. Diesen sieht er im BR-Interview als einen Verband, der für einen vielfältigen Islam in Deutschland stehe. "Wir haben unterschiedliche Rechtsschulen, wir haben unterschiedliche Traditionen. Wir haben Muslime aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen."
Gegründet 1987, vertritt der Zentralrat der Muslime mit seinen rund 300 Moscheegemeinden sowohl Schiiten und Sunniten, türkische und arabische Muslime, aber auch Muslime aus den Balkanländern.
Distanzierung von Moscheeverein IZH
Im Dezember 2023 allerdings wurde der Verband zum ersten Mal seit fast 20 Jahren nicht zur Deutschen Islamkonferenz geladen, die von der Bundesregierung regelmäßig einberufen wird. Medienberichten zufolge spielte dabei auch der Umgang mit dem Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) eine Rolle.
Bis vergangenen Juli betrieb das IZH die vom Iran finanzierte und inzwischen von den deutschen Behörden geschlossene Blaue Moschee in Hamburg. Der Vorwurf damals: Terrorismusunterstützung. Die Tagesschau berichtete damals, das IZH verstoße laut Bundesinnenministerium gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik und verbreite antisemitische und antiisraelische Hetze. Zudem hätten Vertreter der Moschee in der Vergangenheit die Gewalttaten von Terrororganisationen wie etwa der Hamas verherrlicht und verbotene terroristische Organisationen wie die Hisbollah unterstützt.
Der Vorstand des Zentralrats der Muslime in Deutschland hatte im November 2023 beschlossen, die Mitgliedschaft des Islamischen Zentrums Hamburg auszusetzen, bis die Vorwürfe geklärt sind.
El Yazidi betont Ausrichtung des Zentralrats in Deutschland
Für Abdassamad El Yazidi ist die Ausrichtung des Zentralrats aber eindeutig, wie er im BR-Interview betont: "Hier in Deutschland spielt die Musik, und wir bestimmen, in welche Richtung wir mit unseren Gelehrten unsere Theologie entwickeln." Das sei die DNA des Zentralrats der Muslime und an diese Tradition wolle man weiterführen.
Die Mehrheit der jungen Muslime würden Deutsch sprechen. Imame müssten deshalb hier in Deutschland auf Deutsch ausgebildet werden, so El Yazidi. Auf den Verband sieht er einige organisatorische Herausforderungen zukommen – beispielsweise gebe es noch nicht überall entsprechende Landesverbände.
Zentralratspräsident fordert "Allianz der Vernunft"
Dringlicher aber sieht er den Kampf gegen den Rechtsruck in Deutschland. Hier brauche es eine "Allianz der Vernunft" aller Glaubensgemeinschaften, vor allem den Zusammenhalt von Juden und Muslimen: Man müsse sich "Schulter an Schulter" aufstellen "gegen Ewiggestrige".
Denn so viel steht für den Sohn marokkanischer Gastarbeiter fest: Gastarbeiterkinder und -enkel sind heute eben nicht mehr hauptsächlich die Söhne und Töchter von Zuwanderern, sondern in erster Linie Bürger und Bürgerinnen dieses Landes – auch wenn zwei Herzen in ihrer Brust schlagen: "Man kann tatsächlich zwei Heimaten haben und sie auch gleichzeitig lieben, so wie man zwei Elternteile hat und sie halt gleichzeitig liebt."
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