Chefärztin Dr. Suzanna Parker (Haley Louise Jones) in der Serie "Krank Berlin"
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Unterbesetzter Klinikalltag: Chefärztin Dr. Suzanna Parker (Haley Louise Jones) in "Krank Berlin"

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Serie "KRANK Berlin": Alltag in einem kaputten Gesundheitssystem

Serie "KRANK Berlin": Alltag in einem kaputten Gesundheitssystem

"KRANK Berlin" zeigt keine verklärte Klinik-Romantik, sondern das Chaos eines deutschen Krankenhauses, das unter Personalmangel und Sparzwängen leidet. Warum gerade das die Serie so sehenswert macht.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

"KRANK Berlin" – schon der Name der Serie weist darauf hin, dass es hier an allen Ecken krankt. Dass nichts so läuft, wie es eigentlich sollte. Die Notaufnahme ist maßlos überfüllt, das Personal überlastet und überarbeitet, der Oberarzt kommt direkt aus dem Club zur Frühschicht und spritzt sich noch schnell Aufputschmittel.

Realität oder Überzeichnung?

Auch wenn wohl etwas überzeichnet, soweit von der Realität dürfte das alles nicht weg sein. Schließlich hat ein ehemaliger Arzt, Samuel Jefferson, am Drehbuch mit- und seine Erfahrungen für die Serie aufgeschrieben. Die verheerenden Zustände an deutschen Krankenhäusern, das fehlende Geld, die schlechten Arbeitsbedingungen sind ja weithin bekannt. Das alles aber noch einmal so vor Augen geführt zu bekommen, schockiert. Auch wenn die Serie das Drama immer wieder durch schwarzen Humor auffängt. Chefärztin Dr. Suzanna Parker, gespielt von Haley Louise Jones, kommt neu nach Berlin aus München. Von der Uniklinik an ein Brennpunkt-Krankenhaus. Plötzlich muss sie Angeschossene und Drogenabhängige notoperieren. Und sich dazu den Respekt der Kolleginnen und Kollegen erarbeiten, die das alles schon lange kennen und die neue Chefin kritisch beäugen und auf die Probe stellen.

Kein Platz für Romantik

Von Behandlungszimmer-Romantik à la "Schwarzwaldklinik", von großen Gefühlen im Stil von "Grey’s Anatomy" oder genialen Einfällen wie bei "Dr. House" kann hier keine Rede sein. Das ist Krankenhaus-Alltag wie man ihn in diesem (verharmlosenden) Genre normalerweise nicht zu sehen bekommt. Und so zynisch das jetzt klingt: Genau das macht "KRANK Berlin" sehenswert! Die Serie, (mit)produziert vom Münchner Alexis von Wittgenstein, ist eben keine Daily-Soap, sondern ein Stück Gesellschaftsanalyse und -kritik, die den Finger in die Wunde unseres überforderten Krankenhauswesens legt. Dass das auch durchaus unterhaltsam und lustig sein kann, zeigen die gutgeschriebenen Dialoge und der lässige Soundtrack. Der spritzt der Serie auch eine gute Dosis Berlin-Flair in die Venen. Drogenpartys, Clankonflikte und Multikulti inklusive. "KRANK Berlin" ist eine mutige, lebensnahe Krankenhaus-Serie, die nicht nur von Lebensrettern, sondern auch schonungslos vom Sterben erzählt. Ob das genauso viel Anklang findet wie die idyllische "Schwarzwaldklinik", eher fraglich. In jedem Fall spiegelt die Serie unserer Realität weit besser wider.

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