Rebecca Lenhard schaut noch etwas ungläubig. Über ihr die Reichstagskuppel. Unter ihr der Sitzungssaal mit den blauen Stühlen. Dort wird sie in den nächsten Jahren sitzen. Als eine von 630 Abgeordneten. Lenhard musste am Morgen erstmal den richtigen Eingang in den Bundestag finden und sich durchfragen: "Ich bin neugewählte Abgeordnete. Wo darf ich rein?"
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Erfahrene Abgeordnete helfen Neulingen
Die 29-Jährige aus Nürnberg ist über die Landesliste der Grünen in den Bundestag eingezogen. Heute lernt sie zum ersten Mal ihre neuen Kolleginnen und Kollegen kennen. Vor dem Fraktionssaal der Grünen herrscht Klassenfahrtstimmung. Selfies werden gemacht – mit neuen und alten Parlamentariern. Die sind für Lenhard wichtige Ansprechpersonen: "Ich will auf die Erfahrung auf jeden Fall zurückgreifen. Für mich ist das natürlich neu. Und da bin ich um jeden Rat sehr dankbar."
Die Sitzung heute: ein erstes Kennenlernen. Ab morgen wird es ernst. Die Abgeordneten der Grünen wählen eine neue Fraktionsspitze. Bis der neue Bundestag Ende März das erste Mal zusammenkommt, wird üblicherweise der bisherige Vorstand in seinem Amt bestätigt.
28 neue Abgeordnete aus Bayern
In der bayerischen Landesgruppe der Grünen sind es zwei neue Gesichter. In der SPD-Landesgruppe gibt es keine Neulinge. Für die AfD ziehen zwölf neue Abgeordnete aus Bayern in den Bundestag ein. Bei der Partei "Die Linke" sind es fünf. Einer von ihnen ist Luke Hoß.
Mit 23 Jahren ist der Passauer in dieser Legislaturperiode der jüngste Abgeordnete im Bundestag. Er will gleich durchstarten. Einen bundesweiten Mietendeckel nennt er im Gespräch mit BR24 als politisches Ziel, und dass die Preise wieder runtergehen.
Jüngster Abgeordnete aus Bayern
Hoß will in den Bundestag seine persönliche Perspektive einbringen. Seine alleinerziehende Mutter musste teilweise am Ende des Monats auf Essen verzichten, damit er und sein Bruder noch genug hatten. "Das fehlt den meisten Abgeordneten hier - so etwas zu erfahren", so Hoß.
Er will nach eigenen Worten "nicht nur hier im Parlament rumsitzen", sondern in Kontakt bleiben mit den Menschen in seinem Wahlkreis und ihnen zuhören. Erstmal freut er sich aber auf ein gemeinsames Abendessen mit seinen neuen Kolleginnen und Kollegen in der Fraktion.
Anträge für Büro und IT-Ausstattung
Auch für Christian Moser heißt es: Kennenlernen und Orientieren. Der neue Berufsalltag beginnt mit einem Kuvert. Das bekommt der frisch gebackene Abgeordnete schon vor der ersten Sitzung der CSU-Landesgruppe überreicht. Inhalt: Der Antrag für ein Bundestagsbüro. Gerade fühle sich noch alles an wie Versuchsstadium, sagt Moser.
Als neu gewählter Abgeordneter "Berliner Boden" zu betreten, sei "nochmal ein neues Gefühl." Natürlich habe er sich Chancen ausgerechnet, seinen Wahlkreis zu gewinnen und mit einem guten Ergebnis in den Bundestag zu kommen. So richtig sicher sei er sich dann aber natürlich erst im Verlauf des Wahlabends gewesen.
Abgeordneten erreichen erste Anliegen
Moser ist 35 Jahre alt, Jurist, Experte für Bau- und Planungsrecht und hat unter anderem im Planungsstab der bayerischen Staatskanzlei gearbeitet. Nun ist er einer von 44 Abgeordneten der CSU im Bundestag. Er vertritt den Wahlkreis Freising, Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen im Parlament.
Nach seiner Wahl hätten ihn schon viele E-Mails erreicht, erzählt Moser. Darunter seien auch schon erste Bürgeranliegen gewesen. Im Bundestag will er sich unter anderem für den Hochwasserschutz einsetzen.
Ringen um einflussreiche Posten
In den neuen Fraktionen beginnt jetzt das Ringen um die einflussreichsten Posten – Vorstandsposten, Ausschüsse und Arbeitsgruppen. Jetzt werden in kurzer Zeit die Weichen gestellt für die nächsten Jahre.
Noch geht es für die Bundestags-Neulinge aus Bayern um ganz praktische Dinge: IT-Ausstattung, Büros, Mitarbeitersuche. Die politische Arbeit beginnt in einem Monat. Dann kommt der neue Bundestag zu seiner ersten Sitzung zusammen.
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101 Abgeordnete aus Bayern werden nach dem aktuellen, vorläufigen Stand in den Bundestag einziehen.
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