Die Vergnügungsdampfer im Kopenhagener Hafen sind proppenvoll. In der neuen deutsch-dänischen Serie "Families Like Ours" ist der Klimawandel bedrückende Gegenwart, kein fernes Zukunftsszenario, Ihre Passagiere allerdings flüchten vorm Untergang ins Ungewisse.
Das ist die Szenerie von Thomas Vinterbergs Serie "Families like Ours". Mit einer Evakuation aus Dänemark geht es los. "Auf lange Sicht rentiert es sich nicht, uns zu sichern", teilt der Regierungsangestellte Nikolaj (Esben Smed) seinem Bruder Jacob (Nicolaj Lie Kaas) als behördliches Geheimwissen mit. Es sei deshalb besser, unmittelbar "geordnet umzuziehen, als wenn es zu spät ist."
Die Welt, die der jungen Laura (nicht) offensteht
Ein ebenso radikales wie beispielloses Unterfangen, das Regisseur Thomas Vinterberg nach eigenem Drehbuch zur siebenteiligen Odyssee einer Patchwork-Familie durch fünf Länder verdichtet. Im Zentrum steht Jacobs Tochter Laura (Amaryllis August), der mit bestandenem Abi und neuem Freund (Albert Rudbeck Lindhardt) die Welt offensteht. Da sechs Millionen Flüchtlinge auch die Barmherzigkeit befreundeter Nachbarn wie Norwegen oder Deutschland strapazieren, entbrennt ein Kampf um Solidarität und Asyl, in dem es einflussreiche, privilegierte, vermögende Sippen wie die des Kopenhagener Architekten naturgemäß leichter haben.
Seine Serie sei nicht politisch motiviert, sagt Regisseur Thomas Vinterberg, sie sei vielmehr ein Aufruf zu Mitgefühl. Empathie damit seien wir alle geboren. In Krisenzeiten könne Empathie verloren gehen, sowohl bei Einzelnen als auch bei ganzen Gesellschaften. Aber er sei überzeugt davon, dass Empathie und Solidarität (irgendwann) zurückkommen und nicht tot zu kriegen sind. Das sei seine Hoffnung, sagt der dänische Regisseur.
Familie als einziges Refugium, das Schutz bietet
Erzählt wird in der Serie, dass Lauras geschiedene Mutter (Paprika Steen) ein Visum für Frankreich verweigert wird. Man bekäme es "nur mit sehr hohem Mindesteinkommen plus Beschäftigungsverhältnis" erklärt die Auswanderungsbeamtin. Ersatzweise wartet ein Heim in Bukarest - "acht Personen pro Wohnung". Schlechte Zeiten für Mittellose wie Fanny. Doch je näher der Untergang ihrer wohlhabenden Heimat rückt, desto weniger Schäfchen bringt die Elite ins Trockene. Das Einzige, was beim Ringen um Refugien Halt bietet, scheint da die Familie zu sein.
"Mir geht es in meinen Filmen immer um Menschen, Familien, um menschliche Zerbrechlich- und Verletzlichkeit. Außerdem interessiert mich der Elefant im Raum. Über was wird nicht gesprochen, was wollen wir nicht sagen. Das will ich ansprechen."
Der "Elefant im Raum" ist in "Families Like Ours" natürlich der Klimawandel, der das ganze Szenario der Serie erst auslöst, anschwemmt, hier nach Europa, und über den Vinterberg Folgendes sagt: "Es ist als wären wir in der ersten Klasse der Titanic und Wasser kommt in der dritten und vierten Klasse rein und die Menschen von dort schreien, aber wir hören nicht hin. Wir essen, trinken und feiern. So gesehen ist die Serie ein Hilfeschrei!"
Anders als in seinem Debüt "Das Fest", mit dem Thomas Vinterberg 1998 die Dogma-Bewegung gründen half, ist die Familie hier kein zänkischer Haufen egomaner Soziopathen, sondern ein gesunder Organismus wechselseitiger Hilfe. Das geht so weit, dass Laura den Studienplatz in Paris samt Lover sausen lässt, um Mama nach Rumänien zu begleiten.
erstellt mit Informationen der Agentur KNA
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