Vor fast einem Jahrzehnt stand der Name Alexa einmal für neueste KI-Technologie. Heute wirkt der erste große Sprachassistent im Zeitalter von ChatGPT beinahe antiquiert. Amazon reagiert jetzt darauf und stellt mit "Alexa Plus" einen Neustart vor. Die neue Bezahlversion von Alexa soll mit verschiedenen KI-Modellen zusammenarbeite – und mehr Talente und Fähigkeiten haben als ihre klassische Vorgängerin.
Natürliche Gespräche und neue Fähigkeiten
Zu den neuen Funktionen von Alexa Plus gehört unter anderem die Fähigkeit, längere Konversationen zu führen, ohne dass das Aktivierungswort ("Alexa") wiederholt werden muss. Der Assistent soll zudem eigenständig Aktionen ausführen – etwa Lebensmittel bestellen oder Einladungen an Freunde verschicken.
Auch die Smart Home-Integration soll besser werden: In einer Demonstration fragte Amazons Geräte-Chef Panos Panay den Assistenten, ob jemand kürzlich mit dem Hund spazieren war – Alexa Plus analysiert daraufhin Aufnahmen von Smart-Home-Kameras und liefert eine entsprechende Antwort.
Wer schon einen KI-Song-Generator wie "Suno" ausprobiert hat, weiß, dass KI mittlerweile täuschend echt klingende Songs generieren kann. Dank einer Kooperation mit Suno soll auch Alexa in Zukunft auf Anfrage Songs generieren, mit eigenen Texten und Melodien.
Claude-Persönlichkeit im Hintergrund
Eine weitere Kooperation lässt vor allem die Tech-Welt aufhorchen: Im Hintergrund der neuen Alexa soll unter anderem das KI-Modell "Claude" des Startups Anthropic zum Einsatz kommen. Amazon baut zwar mit der "Nova"-Reihe auch seine eigenen KI-Modelle, ist aber ein wichtiger Investor für Anthropic. "Teams von Amazon und Anthropic haben im vergangenen Jahr eng zusammengearbeitet", heißt es in der Erklärung von Anthropic.
Der Chatbot Claude genießt vor allem bei Tech-Insidern einen guten Ruf – nicht nur wegen seiner technischen Fähigkeiten, sondern auch wegen seiner als empathisch und natürlich empfundenen Kommunikation. Bei vielen gilt Claude als der "menschlichste" aller Chatbots. Dieser Stil könnte sich also bald auch bei Alexa finden.
Preise und Verfügbarkeit: In den USA 20 Dollar pro Monat
Für manche überraschend: Das Update wird nicht kostenlos. Alexa Plus wird in den USA für 20 Dollar pro Monat angeboten – ein bemerkenswerter Schritt für einen Dienst, der bisher kostenlos war. Für Amazon-Prime-Mitglieder ist der Dienst allerdings ohne Aufpreis enthalten.
Der Dienst wird zunächst auf den Echo-Show-Modellen 8, 10, 15 und 21 verfügbar sein, soll aber mit "fast allen" bisher veröffentlichten Alexa-Geräten kompatibel sein. Amazon plant einen schrittweisen Rollout, der in den USA beginnt. Auch in Europa wird "Alexa Plus" verfügbar sein – wann genau und zu welchem Preis, ist noch nicht bekannt.
Starke Konkurrenz im KI-Markt
Mit Alexa Plus betritt Amazon einen mittlerweile sehr dichten Markt für KI-Assistenten. Google hat mit Gemini bereits einen deutlichen Vorsprung, und auch OpenAIs ChatGPT sowie Apples überarbeitete Siri-Version kämpfen um die Gunst der Nutzer. Amazons Vorteil könnte die weite Verbreitung im Smart-Home-Bereich sein. Millionen von Echo-Geräten stehen bereits in Wohnzimmern weltweit.
Damit die Rechnung aufgeht, muss "Alexa Plus" aber erst einmal die Nutzer überzeugen. Und das ist nicht leicht. Manche KI-Tools wie ChatGPT sind mittlerweile Massenphänomene geworden. Andere, wie Apples "Apple Intelligence"-Initiative, gelten bislang eher als Flop.
🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in Der KI-Podcast – dem Podcast von BR24 und SWR.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!