Junger Mann blickt auf Bildschirm mit Islamistischer Werbung "komm zu uns" steht da.
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"TechHaven" - Der verborgene Treffpunkt der IS-Terroristen

"TechHaven" - Der verborgene Treffpunkt der IS-Terroristen

Seit Monaten ruft der Islamische Staat vermehrt zu Anschlägen hierzulande auf. Extremisten nutzen dafür eine verschlüsselte Plattform, das zeigen BR-Recherchen. Trotz der illegalen Inhalte wurde der Dienst bisher nicht abgeschaltet.

Über dieses Thema berichtet: Der Funkstreifzug am .

Ein harmloses Klingeln kündigt an, dass der Login ins Propagandaportal der Terrororganisation Islamischer Staat gelungen ist. Dann steht sie offen – eine abgeschottete Welt voller Hass und Gewalt namens "TechHaven". Reportern des Bayerischen Rundfunks ist es gelungen, dort mitzulesen. Auf arabisch-, deutsch-, russisch- oder englischsprachigen Kanälen finden sich Aufrufe, Anschläge zu verüben. Zur Faschingszeit etwa kursierte der Appell "wähle dein nächstes Angriffsziel: Nürnberg, Köln, Rotterdam".

Experte: Plattform dient auch für Anschlagsvorbereitungen

Experten stellen indes fest, dass TechHaven längst nicht nur genutzt wird, um Propaganda zu verbreiten. Alberto Fernandez beobachtet, dass dort auch Vorbereitungen für mögliche Anschläge getroffen werden. Fernandez ist Vize-Chef der US-amerikanischen NGO "Middle East Media Research Institute" (MEMRI). MEMRI beobachtet extremistische Inhalte im Netz und wertet sie aus. Auf TechHaven sei MEMRI auf "Diskussionen über potenzielle Ziele, wie Kirchen oder Regierungsgebäude" gestoßen, schildert Fernandez im BR-Interview. Auch Adressen würden dort ausgetauscht.

Lob für Anschlag von München

Wie die BR-Recherche zeigt, wurde dort auch der Anschlag vom 13. Februar in München gelobt. An diesem Tag fuhr ein Mann mutmaßlich aus islamistischen Motiven in einen Demonstrationszug, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Extremisten posteten im Nachhinein den Aufruf "Worauf wartest du? Die Straßen sind voller Ziele. Überfahre Sie!"

Ein Aussteiger aus der islamistischen Szene berichtete dem BR, wie wichtig die Plattform inzwischen sei. In seinem Fall habe sie zur Radikalisierung beigetragen: "Die Inhalte vermittelten mir, dass man uns Muslime nur belügt. Jeder kritische Bericht über das brutale Vorgehen des IS in den Medien erschien mir nur noch als Beleg dafür, dass alles eine große Verschwörung gegen 'die wahren Muslime' wäre."

Plattform ist den Behörden bekannt

Die Plattform basiert dabei auf einer kostenlosen Software namens "Rocket.Chat". Diese ermöglicht es beliebigen Nutzern, einen eigenen Messenger-Dienst aufzusetzen. So wirbt "Rocket.Chat Deutschland" für Kommunikation mit "vollständigem Datenschutz und höchster Datensicherheit". Rocket.Chat hat eigenen Angaben zufolge keinen Einfluss darauf, wer die Kommunikationsplattform nutzt. Nach BR-Recherchen wird TechHaven über einen Server in den USA betrieben. Dort ist das Hosten von IS-Inhalten illegal. Das US-Justizministerium hat bislang nicht auf Anfragen dazu reagiert.

Der Terrorexperte Hans-Jakob Schindler von der internationalen gemeinnützigen Forschungs-Organisation Counter Extremism Project hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass den US-Behörden entgangen ist, dass sich der Server in den Vereinigten Staaten befindet. Er vermutet, dass die US-Behörden den Server im Blick behalten wollen und deshalb alles weiterlaufen lassen, "weil mit einem amerikanischen Server garantiert ist, dass man Zugriff haben kann. Das wäre nicht der Fall, wenn es sich um eine Firma handelt, die in China, Russland oder sonst irgendwo auf der Welt sitzt."

Könnte Deutschland gegen die Radikalisierungsplattform vorgehen?

Ob eine deutsche Behörde Telekommunikationsunternehmen angewiesen hat, IP-Adressen zu sperren, dazu nimmt das Bundesinnenministerium auf Anfrage nicht Stellung. Es räumt aber ein, dass IS-Propaganda zur Radikalisierung Einzelner beitragen könne. Alberto Fernandez von MEMRI will sich damit nicht zufriedengeben. Angesichts der Gefährlichkeit der Plattform fordert er, die Behörden sollten entschlossener reagieren.

Die ganze Recherche hören Sie heute am 26.3.2025 um 12:15 Uhr in der Sendung "Funkstreifzug" im Radioprogramm von BR24 oder schon jetzt als Podcast in der ARD Audiothek.

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