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Falscher Wolf getötet: Tierschutzverbände traurig und geschockt

Falscher Wolf getötet: Tierschutzverbände traurig und geschockt

Nachdem in der Rhön eine unauffällige Wölfin statt der eigentlichen "Problemwölfin" erschossen wurde, ist der Verein "Wolfsschutz Deutschland" "total geschockt". Der Bund Naturschutz bemängelt Fehler im Wolfsmanagement.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

In der Rhön in Unterfranken hatte es in letzter Zeit immer wieder Probleme mit einem Wolf gegeben: Dieser riss Schafe, Ziegen und andere Tiere. Die Regierung von Unterfranken bewilligte daraufhin den Abschuss. Dieser erfolgte in der Nacht zum 27. August. Kurz darauf stellte sich heraus: Es war das falsche Tier. Tierschutzorganisationen reagieren darauf entsetzt.

Bund Naturschutz fordert mehr Geld – zum Beispiel für Zäune

Uwe Friedel, Wolfsexperte beim Bund Naturschutz (BN) findet es "traurig, dass jetzt in der Rhön ein unschuldiges Tier sterben musste, das noch nie ein Weidetier gerissen hat". Gleichzeitig hätten die Weidetierhalter weiter Sorgen und Ängste. "Aber das ist eben der Lauf der Dinge, wenn vorher im Wolfsmanagement Fehler gemacht wurden", meint Friedel.

Der BN sehe sich daher in seinen Forderungen nach einem besseren Herdenschutz bestätigt. Friedel verwies erneut auf die Forderungen nach mehr Zuschüssen für beispielsweise Herdenschutzhunde oder Zäune sowie bessere Information und Beratung.

Wölfe gewöhnen sich ans Tiere-Reißen

Einen Abschuss von "Problemwölfen" hält Friedel weiterhin für sinnvoll. Die aktuelle "Probelmwölfin" müsse entnommen werden, weil sie sich daran gewöhnt habe, Weidetiere zu reißen. Aber: Bestimmte Wölfe gezielt zu erschießen, sei sehr schwierig, weil man die Tiere kaum unterscheiden kann. Deshalb sei es wichtig, direkt an dem Ort auf die Lauer zu gehen, wo der Wolf zuletzt zugeschlagen hat. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Wolf in der folgenden Nacht zum Riss zurückkehrt", so Friedel.

Wolf-Verein "total geschockt" vom Tod des "falschen" Wolfes

Der Verein "Wolfsschutz Deutschland" ist laut Sprecherin Brigitte Sommer "total geschockt" von der Nachricht, dass in der Rhön eine bisher unauffällige Wölfin statt der eigentlichen "Problemwölfin" erschossen wurde. "Wir bedauern den Tod der Jungwölfin aus dem nahe gelegenen Rudel Wildflecken", so Sommer. Sie vermutet, dass das erschossene Tier auf Abwanderung war und neue Gebiete abseits des Elternreviers erkunden wollte.

Lebt die "Problemwölfin" noch?

Gleichzeitig freue sich der Verein, dass die für den Abschuss freigegebene Wölfin mit dem genetischen Kürzel GW3092f vielleicht noch am Leben ist. Oder auch nicht: Der Verein hat daran große Zweifel. Sie könnte illegal beseitigt worden sein, so der Verdacht von Brigitte Sommer. Auf zum Teil jägeraffinen Seiten in sozialen Netzwerken gebe es entsprechende Hinweise. Außerdem sei sie erstaunt, dass der letzte Nachweis der Wölfin GW3092f gut sechs Wochen her ist – ein Riss vom 25. Juli.

Sommer vermutet daher, dass das Muttertier nicht mehr am Leben ist und der Vater versuchen muss, den gemeinsamen Wurf zu versorgen. Das würde auch erklären, warum er in der Nacht zum 26. August die Herde Schafe angegriffen hat, so Sommer weiter.

Verein bereitet Klagen vor

Der Verein "Wolfsschutz Deutschland" bereitet aktuell eine Strafanzeige gegen den Präsidenten der Regierung von Unterfranken, Eugen Ehmann, und den/der dem Verein bisher unbekannten Jäger/in vor. Der Vorwurf: Die Abschussgenehmigung sei "ganz klar nicht legal" gewesen.

Begründet wird dies damit, dass die Regierung von Unterfranken Informationen über die Abschussverfügung, die seit dem 1. August 2024 galt, erst am 23. August veröffentlichte. Umweltverbände seien somit nicht rechtzeitig informiert gewesen und hätten keine Möglichkeit zur Klage gegen die Verfügung gehabt. Die Strafanzeige soll laut Sommer voraussichtlich Ende der kommenden Woche eingereicht werden.

Letzter Riss von einem männlichen Tier

Am Freitag hatte die Regierung von Unterfranken die Ergebnisse einer genetischen Untersuchung mitgeteilt: Es wurden sowohl die DNA der in der Nacht zum 27. August getöteten Wölfin als auch die DNA-Spuren an den gerissenen Schafen untersucht. Die Ergebnisse stimmen nicht überein.

Außerdem ist für den letzten Riss in der Nacht zum 26. August, bei dem sechs Schafe getötet und vier verletzt wurden, auch nicht die "Problemwölfin" verantwortlich, sondern ein männlicher Wolf. Er gehört zum Rudel "Hohe Rhön" und ist der Partner der eigentlich gesuchten "Problemwölfin".

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