Am Donnerstag besucht Ministerpräsident Markus Söder den Chemiepark Gendorf. Dort herrscht Unruhe, denn: Das Dyneon-Werk in Gendorf soll Ende 2025 geschlossen werden. Das hat der US-Mutterkonzern 3M angekündigt. Rund 700 Mitarbeitenden droht die Kündigung. Gerade die jüngeren litten derzeit große Existenzängste, sagte Betriebsratschef Peter Engel dem Bayerischen Rundfunk. Die Jobsituation in der Region gilt zwar als gut, Stichwort Fachkräftemangel. Doch die Firmen sind eng vernetzt: Allein im Chemiepark Gendorf sind zwei Unternehmen auf Dyneon-Vorprodukte angewiesen. Auch sie könnten bei einem Ende der Produktion Schwierigkeiten bekommen.
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Auswirkungen auf das gesamte Chemiedreieck befürchtet
Insgesamt stehen Insidern zufolge mindestens 1.000 Jobs auf dem Spiel. Sollten drei Firmen schließen müssen, würden zudem die Fixkosten für die übrigen im Chemiepark ansässigen Unternehmen um bis zu ein Viertel steigen. Schlimmstenfalls drohe das gesamte Chemiedreieck in Schieflage zu geraten, fürchtet dessen Sprecher Bernhard Langhammer. In der Region im Südosten Bayerns sind viele europa- und auch weltweit tätige Unternehmen ansässig.
Viele Kunststoffe für Energiewende sind gesundheitsschädlich
Dyneon ist einer der weltweit größten Hersteller von Fluorpolymeren. 17.000 Tonnen werden jährlich in Gendorf produziert. Doch einige Stoffe, etwa das inzwischen verbotene PFOA und das in Löschschaum verwendete PFOS, gelten als gesundheitsgefährdend oder gar Krebs erregend. Der US-Mutterkonzern 3M will die Produktion komplett einstellen, weil ihm in den USA Milliardenstrafen drohen. Und auch in Europa werden immer wieder strengere Vorschriften für die Produktion erlassen. Auf Vorschlag von Deutschland und anderen Staaten wird derzeit sogar ein Komplettverbot geprüft. Im März will die zuständige EU-Behörde das Verbot prüfen.
Dabei werden diese Kunststoffe in Computerchips und in medizinischen Geräten eingesetzt. Und auch für die Energiewende sind sie wichtig, kommen sie doch in Windrädern, Brennstoffzellen oder Batterien von Elektroautos zum Einsatz.
Forderung nach "Ende der Regulierungswut"
Für Ministerpräsident Söder wird sein Besuch im Chemiepark Gendorf an diesem Donnerstag kein angenehmer Termin. Denn die Akteure im Kreis Altötting fordern von der Staatsregierung ein klares Bekenntnis zur bayerischen Chemieindustrie. Aus ihrer Sicht wird nirgendwo sonst auf der Welt so sauber produziert wie in Deutschland. Man habe geschlossene Kreisläufe installiert, um schädliche Abfälle so gering wie möglich zu halten. Zudem sind in der Region seit einigen Jahren Aktivkohlefilter-Anlagen in Betrieb, die bedenkliche Substanzen weitgehend aus dem Trinkwasser entfernen können. Die "Regulierungswut" müsse ein Ende haben. Es könne keine Lösung sein, den umweltfreundlichsten Hersteller dicht zu machen, wenn die Kunden dann auf Produkte etwa aus Asien zurückgreifen müssten.
Wenn PFAS-Verbot kommt: Lange Umstellung und Ausnahmen
Falls der Verbotsantrag Erfolg hat, dürfte es lange Umstellungsfristen für die Industrie geben. Möglicherweise auch Ausnahmen. Professor Jan Hengstler, Chef der Toxikologie der TU Dortmund, machte im Gespräch mit dem BR folgenden Vorschlag: Man könnte Substanzen für besonders wichtige Anwendungen, zum Beispiel Feuerlöschschaum oder Medizinprodukte, auch ausführlicher auf ihre Schädlichkeit prüfen und dann weiter zulassen.
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